DIE VIER DEUTSCHBÖHMISCHEN GEMEINDEN WOLFSBERG, WEIDENTHAL, LINDENFELD UND:.

      ALT-SADOVA IM RUMÄNISCHEN BANAT

       

      1. Einleitung

       

      Rumänien ist das einzige Land in Südosteuropa, in dem gegenwärtig noch in größerer Anzahl Deutschstämmige leben. Ihre Hauptsiedlungsgebiete sind Sieben_ bürgen mit den wichtigen Zentren Kronstadt (Brasov), Hermannstadt (Sibiu) Schäßburg (Sighisoara), Mediasch (Media') und das rumänische Banat mit seinem; Verwaltungsmittelpunkt Temesvar (Timisoara). In beiden Landesteilen wohn„" etwa je 180 000 Rumäniendeutsche.

      Rein deutsche Siedlungen gibt es nach Kenntnis des Verf. mit Ausnahme der so genannten Böhmischen Dörfer im Verwaltungsbezirk Caras-Severin in Ru­mänien heute nicht mehr. Diese Gemeinden liegen in der Nähe der Stadt Karansebesch (Caransebes) im Banat. Es sind die vier Dörfer Wolfsberg (Garana), Wei­denthal (Brebu Nou), Lindenfeld (Lindenfeld) und Alt-Sadova (Sadova Veche).

      In Wolfsberg und Weidenthal lebt auch heute noch kein einziger Rumäne. Auch die beiden anderen Gemeinden sind fast rein deutsch. In Lindenfeld wohnt eine und in Alt-Sadova wohnen drei rumänische Familien'.

      Der Hauptgrund für diese einmalige Erscheinung in der heutigen Volksrepublik - Rumänien mag die Abgeschiedenheit dieser Siedlungen sein. Wolfsberg, Weiden­thal und Lindenfeld liegen im höchsten Teil des Banater Berglandes in über 800 Meter Meereshöhe, und die Bewohner dieser drei Dörfer leben hier abseits der großen Verkehrswege unter vergleichsweise ungünstigen Naturbedingungen. Doch auch Alt-Sadova, obwohl im Tal des Temesch (Timisul) auf nur 300 Meter Meereshöhe und an einer stark befahrenen Autostraße gelegen, hat durch seine beengte Lage zwischen den Massiven des Banater Berglandes und des Westteils der südlichen Hochkarpaten wenig Verbindung zu den rumänischen Nachbarge­meinden.

      Neben den Naturbedingten Gegebenheiten - Abgeschiedenheit, große Höhen­lage, ungünstige klimatische Verhältnisse, die nur geringen Siedlungsanreiz aus­üben - sind im wesentlichen historische Gründe für die Geschlossenheit dieser vier deutschböhmischen Banater Gemeinden anzuführen. Ihre Bewohner wurden erst sehr spät, im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts, zur Sicherung der österreichischen Militärgrenze gegen die Türken hier angesiedelt. Ihre alte Hei­mat war das westliche Böhmen.

       

      2. Die geographische Lage und die natürlichen Gegebenheiten im Bereich der
      vier deutschböhmischen Banater Gemeinden

       

      Wolfsberg und Weidenthal sind die höchstgelegenen Dörfer des Banater Berg­landes, das den westlichen Ausläufer der Südkarpaten bildet. Die Kirchen beider Orte als Messpunkte liegen in 955 und in 884 Meter Meereshöhe''. Lindenfeld, -nur zwei Stunden zu Fuß von Wolfsberg entfernt, liegt bereits auf der Nord­abdachung des Gebirges auf 798 Meter.

      Diese höchstgelegenen Teile des Banater Berglandes werden im Westen und im Osten abgegrenzt durch die Berzava (Birzava), die am Poniasca-Sattel süd­westlich der Piatra Nedei (1438 m ü. NN) entspringt und durch Franzdorf (Valiug) und Reschitz (Resita) nach Westen fließt, und den Temesch, der bei Weidenthal aus der Vereinigung des Semenik-, Gradieste- und Brebul-Baches ent­steht, auf Teregova zufließt und dann nordwärts seinen Lauf über Karansebesch und Lugosch (Lugoj) nimmt.

      Delinest (Delinesti) im Norden, zwischen Karansebesch und Reschitz, liegt be­reits in 266 Meter Höhe und Steiersdorf-Anina (Anina) und Teregova, die das gesamte Massiv im Südwesten und im Südosten begrenzen, haben 653 bzw.. 420 Meter Meereshöhe.

      Innerhalb dieser Abgrenzung liegt ein etwa Nord-Süd verlaufender Gebirgs­stock mit den drei höchsten Gipfeln des Banater Berglandes; von Nord nach Süd der Semenik (Semenicul, 1447 m), die Gezna-Spitze (Piatra Gezna, 1449 m) und die Nedei-Spitze (Piatra Nedei, 1438 m). An diese Kammregion schließen sich nach Süden und Südosten weitere Gipfel über 1200 m an. Das gesamte Massiv dacht sich nach Norden über Lindenfeld schnell gegen Karansebesch hin ab. Im Südosten liegt dann bei Teregova die Porta Orientalis, eine früher wichtige Völ­ker- und Heeresstraße und zugleich Wasserscheide zwischen dem Temesch und dem Cornea-Bach, der sich bei Herculesbad (Baia Herculane) mit der Cerna vereinigt und dann bei Orschova (Orsova) die Donau erreicht.

      Das gesamte Gebirgsmassiv ist bis auf die Rodungen der hier liegenden Dörfer Wolfsberg, Weidenthal und Lindenfeld und verschiedene Almwiesen dicht be­waldet.

      Wolfsberg und Weidenthal liegen auf einer durch zahlreiche kleine Wasser­läufe zerschnittenen Verebnung etwa fünf bzw.. sieben Kilometer nordnordöstlich

      vom Semenik. Am Westrand dieser 'Verebnung entspringt der Temesch, dessen Quellbäche das gesamte Niveau in ein ständiges Auf und Ab von kleinen Kuppen, Steilhängen und Kerbtälern aufgelöst haben. Wenn man von Siatina (Slatina Timisului) heraufkommt, hat man den Eindruck, dass beide Dörfer in einer gro­ßen, weiten Schüssel liegen, die sich nach Westen hin, wo der Temesch entspringt, öffnet.

      Nach dem Abholzen des Waldes hat die Erosion sehr starke Wirkungen hinter­lassen. Es gibt keinen Hang, der nicht zahlreiche Risse aufweist. Der Untergrund besteht aus leicht zersetzbarem Schiefer und bietet der Erosion nur wenig Wider­stand. Lange Hangrisse und Abrutschungen sind keine Seltenheit. Tief eingekerbt sind vor allem die hangaufwärts führenden Hohlwege. Wegen Abrutschungen mussten viele von ihnen verlegt werden, so dass stellenweise ein ganzes Wege­gewirr zu finden ist, wobei die Hohlrinnen bis zu vier Meter tief liegen.

      Der Boden ist sehr mager und weist nur niedrige Bodenwerte auf. Die starke Zertalung durch die zahlreichen Bäche und Rinnsale hat dazu geführt, dass kaum Ebenheiten vorhanden sind. Das wirkt sich in der Weise aus, dass die Landwirte wegen der großen Hängigkeit ihrer Felder und Wiesen kaum Maschinen ein­setzen können.

      Klimatisch gesehen wird das gesamte Gebiet von den rumänischen Geographen als subalpin charakterisiert. Die jährlichen Niederschläge liegen zwischen 800 und 1200 mm, und die mittlere Jahrestemperatur beträgt etwa acht Grad Celsius. Im Januar liegt die durchschnittliche Temperatur bei minus drei und im Juli bei plus 17 Grad. Der erste Schnee fällt in der Regel bereits im Oktober, und in den Monaten Dezember bis Februar liegt er dann in einer Höhe bis zu zwei Metern. Anhaltendes Tauwetter setzt danach erst wieder in der ersten Aprilhälfte ein.

      Alt-Sadova liegt im Gegensatz zu Wolfsberg, Weidenthal und Lindenfeld im Tal. Die Höhenlage dieses Ortes - die Kirche als Messpunkt - beträgt 303 Meter. Oberhalb der Gemeinde, gegen Teregova noch sehr eng, beginnt sich das Tal des Temesch hier zu weiten. Trotzdem sind aber auch hier die Feld- und Wiesenstücke mit wenigen Ausnahmen hängig gelegen. Das Klima ist jedoch weitaus günstiger. Es wachsen Mais und Weizen, und an den Häusern finden sich hin und wieder sogar Weinstöcke.

      In den drei hochgelegenen Gemeinden gedeihen dagegen nur wenige landwirt­schaftliche Kulturen. Kartoffeln sind hier die Hauptfrucht. Daneben werden Roggen und ein wenig Hafer gebaut. Andere Getreidesorten reifen nicht aus.

      Unter allen vier Gemeinden liegt nur Alt-Sadova verkehrsgünstig an der Hauptstraße Temesvar-Lugosch-Karansebesch-Orschova-Craiova und der eben­falls auf dieser Strecke verkehrenden Eisenbahn. Schwer sind dagegen die drei anderen Gemeinden zu erreichen. Wolfsberg und Weidenthal liegen an der ge­genwärtig noch nicht asphaltierten Straße zwischen Slatina und Reschitz, die von beiden Seiten her in steilen und engen Windungen die Hochfläche erreicht. Mit dem Personenkraftwagen können beide Ortschaften nur im Sommer angefahren werden. Linienbusse verkehren auf dieser Strecke nicht. In der Regel lassen sich hier die Dorfbewohner, wenn sie Besorgungen in Karansebesch zu erledigen ha­ben, mit den schweren Lastkraftwagen mitnehmen, die auf dieser Strecke regel­mäßig Holz abfahren.

      Lindenfeld erreicht man von Karansebesch aus über Bukin und Poiana. In dieses Dorf kann man aber auch im Sommer mit dem Personenkraftwagen nur unter großen Schwierigkeiten gelangen. Eine Straßenverbindung nach Wolfsberg oder Weidenthal besteht nicht. Der zwischen dieser kleinen Gemeinde und Wolfs­berg bestehende Fußweg wird kaum begangen und ist auch nur wenigen Ein­heimischen bekannt.

      Da großmaßstäbliche rumänische Straßenkarten in Rumänien im Handel

      nicht erhältlich sind, sollen im folgenden die Anfahrtswege zu diesen vier Ge­meinden von Karansebesch aus zusammen mit den Kilometerangaben aufgeführt werden:

      1. Karansebesdi (0 km) - Slatina (19 km) - Alt-Sadova (21 km) - Teregova - Orschova.

      2. Karansebesdi (0 km) - Slatina (19 km) - Weidenthal (37 km) - Wolfsberg

      (43 km) - Franzdorf - Resitz.

      3. Karansebesch (0 km) - Bukin (6 km) - Poiana (12 km) - Lindenfeld

      (20 km).

       

      3. Die historische Entwicklung der vier deutschböhmischen Banater Gemeinden

       

       a) Die österreichische Militärgrenze im Banat

      Nach ihrem Sieg in der Schlacht bei Mohacs 1526 stand den Türken auch das nördliche Südosteuropa offen, und der größte Teil Ungarns kam in den folgenden eineinhalb Jahrhunderten unter türkische Herrschaft. Wirtschaftliche Stagnation, ja Niedergang, Bevölkerungsrückgang und Auflassung von Ortschaften in ein­zelnen Landesteilen waren die Folge einer Politik, die nur auf die Ausbeutung der eroberten Gebiete gerichtet war. 1683 wurde sogar Wien belagert, und nur dem Sieg deutscher und polnischer Truppen am Kahlenberge war es zu verdan­ken, dass die Türken nicht auch in Mitteleuropa Fuß fassten.

      Der Niederlage der Türken 1683 am Kahlenberge folgten bald weitere. 1686 wurde Budapest eingenommen und zwei Jahre später Belgrad, das jedoch 1690 wieder verloren ging. 1697 siegte Prinz Eugen von Savoyen in der Schlacht bei Zenta, und im Frieden von Karlovitz, der 1699 geschlossen wurde, kamen Un­garn und Siebenbürgen und der größte Teil von Kroatien und Slawonien an Osterreich. Der Erwerb dieser neuen Landesteile wurde abgerundet durch die Er­oberung des Banats nach dem Siege des Prinzen Eugen 1716 bei Peterwardein. Im Frieden von Passarowitz kamen dann 1718 neben dem Banat auch das nördliche Serbien mit Belgrad, die Kleine Walachei und Teile Bosniens an Osterreich.

      Die neue europäische Großmacht Osterreich, siegreich hervorgegangen aus den Türkenkriegen, war entstanden. Es galt nun, die Neugewonnenen Gebiete wirt­schaftlich zu stärken und militärisch abzusichern, zumal die Türken in die neuen Grenzgebiete immer wieder einfielen'.

      Die bekannte österreichische Militärgrenze, die bereits im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts aus ersten Grenzverteidigungssystemen gegen die Türken in Kroatien entstanden war', wurde nun auch auf die eroberten Gebiete im Süd­osten ausgedehnt.

      SW-Rumänien

       

      Dei Banater Grenze 

      Die Kolonisierungsmaßnahmen im Banat und die militärische Sicherung dieses Landesteiles geschahen im wesentlichen unter der Regentschaft der Kaiserin Maria Theresia, obwohl die ersten Maßnahmen der Neuordnung bereits unter Karl VI. von einer in Temesvar bestehenden militärischen Behörde aus eingeleitet wurden.

      1751 erschien ein Erlaß, nach dem nur diejenigen Teile des Banates unter mili­tärischer Verwaltung bleiben sollten, in denen größere Militäreinheiten zur Grenzsicherung stationiert waren. Diese Bezirke waren Panschova, Neu-Palanka,Mehadia und ein Teil des Karansebescher Distriktes. Alle übrigen Banater Distrikte erhielten eine Zivilverwaltung .Während der von den Zivilbehörden verwaltete Teil des Banates 1778 wieder Ungarn angegliedert wurde, blieb der unter Militärverwaltung stehende Teil weiterhin dem Hofkriegsrat in Wien unterstellt. Man teilte dieses Gebiet in das Deutschbanater und das Wallachisch-Illyrische Regiment ein, wobei letzteres sein Stabsquartier ab 1801 in Karansebesch erhielt.Die gesamte Banater Militärgrenze nahm also den südlichen Abschnitt des Banates ein, wobei die Donau im Süden die Grenze bildete. Mit durchschnittlich 17 Bewohnern je Quadratkilometer war dieses Gebiet zu Beginn des letzten Jahrhunderts äusserst dünn besiedelt'. Während jedoch der westliche Teil des gesamten Grenzabschnittes mit den Hauptorten Panschova, Alibunar und Weiß­kirchen in der Ebene lag und eine höhere Besiedlungsdichte aufwies, wurde der östliche Teil von den Westausläufern der Südkarpaten, dem Banater Bergland, eingenommen, welches vor allem in seinen hochgelegenen Teilen nur wenig Sied­lungsanreiz bietet und in jener Zeit kaum bewohnt war. So musste es ein natür­liches Interesse der Militärbehörden sein, dieses Gebiet durch Aufsiedlung mili­tärisch zu sichern.1763 war der westliche Teil der Banater Militärgrenze noch rein serbisch' und der östliche gebirgige Teil rein rumänisch. Ausnahmen bildeten nur die Städte, in denen sich bereits deutsche Kaufleute und Handwerker niedergelassen hatten. „Einiges änderten die Deutschen, die mit der Invalidenansiedlung ankamen. Die Hauptansiedlung deutscher Kolonisten an der Banater Grenze setzt überhaupt erst um 1800 ein. Sie brachte in den folgenden Jahrzehnten einige tausend Deut­sche aus dem Zivil-Banat, der Batschka und anderen ungarischen Gebieten, aus dem Sudetenland und Südwestdeutschland in die Militärgrenze'."

       

      b) Die Gründung und Entwicklung der vier deutsch-böhmischen Banater Gemeinden 8

      Nachdem in den Jahren 1823/25 sich im südlichen Banat tschechische Siedler niedergelassen hatten', nahm der Hofkriegsrat in Wien auf Veranlassung des Generalkommandos in Temesvar Kontakt mit dem Gubernium in Böhmen mit dem Ziel auf, Kolonisten für die Banater Militärgrenze anzuwerben. Das Ange­bot an die auswanderungswilligen Familien umfasste den kostenlosen Transport, eine zehnjährige Militärdienstfreiheit, den Erhalt einer halben Grundansässigkeit in einer Höhe von neun Joch Acker, drei Joch Wiesen und einem Joch für die Hofstelle, den unentgeltlichen Erhalt des ersten Samens für die Feldbestellung und eine Steuerfreiheit von zehn Jahren, wenn der zu kultivierende Grund noch bewaldet, bzw.. fünf Jahren, wenn er bereits gerodet war. Das Land wurde als Erblehen vergeben, wofür die betreffenden Familien nach Ablauf der zehn Frei­jahre Militärdienst und bestimmte Arbeiten ohne jegliches Entgeld zu verrichten hatten 11

      Von seiten des Guberniums wurde dieses Angebot dann den Kreisämtern in Böhmen zugeleitet und fand vor allem in den von Natur aus weniger gut ausge­statteten Böhmerwaldkreisen eine starke Resonanz. In den Jahren 1827/28 ver­ließen dann über 1 000 Familien das westliche Böhmen in der Hoffnung, im Gebiet der Banater Militärgrenze eine bessere Existenz als daheim gründen zu können. Schon vorher hatten die dortigen Behörden die von ihnen ausgewählten Siedlungsplätze vermessen lassen und Blockhütten für den ersten Aufenthalt er­richtet.

      Hans Herrschaft` gibt die Zahl der 1828 im südlichen Banat angesiedelten böhmischen Familien mit 1 036 an. Nach ihm bestanden 1830 die folgenden mit Kolonisten aus Böhmen besetzten Dörfer:

       

      Weizenried (Poiana Grnik)

      Schnellersruhe (PoianaBiger)

      Ravenska

      Eibenthal (Valea Tissovici)

      Frauenwiese (Poiana Muieri)

      Neu Zsupanek

      Schöntal

      Schumitza (Sumita)

      Lindenfeld

      Wolfswiese (Poiana Lupului)

      Wolfsberg (Garana)

      Weidenthal (Brebul Nou)

      mit

      mit

      mit

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      mit

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      mit

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      mit

      mit

      469 Einwohnern

      266 Einwohnern

      237 Einwohnern

      356 Einwohnern

      186 Einwohnern

      93 Einwohnern

      281 Einwohnern

      123 Einwohnern

      166 Einwohnern

      256 Einwohnern

      444 Einwohnern

      597 Einwohnern

       

      Während die Siedlungsplätze in der Nähe von Karansebesch auf Wunsch des dortigen Regimentskommandos und der beteiligten Kolonisten nur mit deutsch­

      böhmischen Siedlern besetzt wurden, siedelte man die tschechischen Familien in der Nähe von Oravitza (Oravita) an.

      Die deutschböhmischen Ansiedlungen wurden im Laufe des Jahres 1828 be­setzt. Der erste Schub mit 56 Familien kam im Frühjahr nach Weidenthal.

      Bis zum Herbst wuchs diese Zahl dann auf 126 an. Nach Wolfsberg kamen im ersten Jahr 98, nach Wolfswiese 99 und nach Lindenfeld 36 Familien.

      Die Auswertung der bei Schmidt 13 angeführten Angaben über die Herkunfts­orte der Ansiedler in diesen vier Gemeinden zeigt das folgende Bild 14:

      Abstammungsort des jeweiligen Familienoberhauptes

      Wolfsberg

      1833/34

      Kreis Klattau

      45

       

       

      übriges Böhmen

      10

       

       

      Bayern

      8

       

       

      übriges Deutschland

      1

       

       

      Österreich

      1

       

       

      Ungarn

      1

      Weidenthal

      1833/34

      Kreis Klattau

      25

       

       

      übriges Böhmen

      4

       

       

      Bayern

      12

       

       

      Österreich

      1

      Lindenfeld

      1833

      Kreis Klattau

      14

       

       

      übriges Böhmen

      2

       

       

      Bayern

      1

       

       

      übriges Deutschland

      1

      Alt-Sadova

      1833/34

      Kreis Klattau

      31

       

       

      übriges Böhmen

      8

       

       

      Bayern

      7

      Lindenfeld

      1828

      Kreis Elbogen

      16

       

       

      übriges Böhmen

      2

       

       

      Bayern

      8

       

       

      übriges Deutschland

      10

       

      Der Großteil der Kolonisten stammte danach aus dem Kreis Klattau. Andere Auswanderungsgebiete in Böhmen waren vor allem der Kreis Elbogen, hier be­sonders die Orte Roßbach und Asch, aus denen die evangelischen Kolonisten kamen, die sich bei der ersten Ansiedlung in Lindenfeld niederließen, ferner die Kreise Pißek und Pilsen. Die bayrischen Auswanderer kamen vorwiegend aus Nordostbayern, den Kreisen Selb und Hof und aus dem Bayrischen Wald. Die zehn Siedler, die sich 1828 in Lindenfeld niederließen und aus dem „übrigen Deutschland" kamen, waren fast alle aus Sachsen, besonders aus dem Vogtland.

      Die ersten Jahre der Ansiedlung führten zu einer Katastrophe. Die für die Landwirtschaft ungünstigen klimatischen Verhältnisse in der neuen Heimat ließen nur magere Ernten zu. Getreide gedieh kaum, nur Kartoffeln, Flachs und Futterrüben warfen einigermaßen zufriedenstellende Erträge ab. Man war jedoch ge­wohnt, daß die Basis der Landwirtschaft der Getreidebau war.

      Da anfänglich Verbindungswege zu den tiefergelegenen rumänischen Gemeinden nicht bestanden, konnte auch kein Warenaustausch stattfinden. Die Siedler waren Selbstversorger. Der Mangel an Getreide wirkte sich dahingehend aus, daß eine ausreichende Ernährungsbasis nicht sichergestellt war. Hinzu kam, daß viele aus dem buntzusammengewürfelten Volk der ersten Ansiedler, Handwerker und ehemalige Waldarbeiter, mit der Landwirtschaft nur unzureichend vertraut waren. Diese laienhafte Kenntnis wirkte sich bei den ungünstigen klimatischen und edaphischen Gegebenheiten hoch oben im Banater Bergland besonders stark auf die Wirtschaftsweise und die Erträge dieser Siedler aus. Es dauerte dann auch nicht lange, da breitete sich die erste Unzufriedenheit unter den Bewohnern der gerade erst gegründeten Ortschaften aus.

      Ein Bericht des Brigadegenerals Schön von Trauenwert, der im Juli 1832 eine Bereisung der vier Gemeinden unternommen hatte, bestätigte die Klagen der Siedler über die hier herrschenden ungünstigen Lebensverhältnisse

      In dem Inspektionsbericht über Wolfsberg heißt es:

      „Die Ernte ist trotz guter, fleißiger Bearbeitung und Düngung doch nur eine geringe, weil die Lage hoch, der Boden stark sandig und das Klima zu kalt ist'. Schnee und Kälte dauern bis Ende April und stellen sich im Herbste wieder frühzeitig ein; es können daher weder Sommer- noch Winterfrüchte rechtzeitig angebaut werden und gelangen auch ebenso nicht zur Reife. Bis heute [13. Juli 1832] blühen weder Früchte noch Erdäpfel.' Von der vorjährigen Ernte wurden Garben vorgezeigt, an welchen die meisten Ähren blind` und die wenigen Körner klein waren. Die Erdäpfel waren unreif, speckigt ... ` Es ist auch bei diesen Leuten eine festaufgedrückte Erscheinung`, daß hier alle Versuche und Anstren­gungen rein vergeblich sind', sich hier auf diesem Boden eine annehmbare ordent­liche Existenz' zu gründen; auch sie bestehen daher auf Absiedelung".

      Über Weidenthal wird geschrieben:

      Es ist wahrhaft zu bedauern, daß der schon in so großem Umfange bewerk­stelligte Anbau nicht einmal den Samen abwirft ...` Alle Feldfrüchte zeigen sich anfangs sehr schön, gehen aber später durch kalte Regen und Fröste zugrunde ... Die Winterfrüchte, Weizen und Halbfrucht vom Vorjahre, sind ungenießbar ... [Das Thermometer und das Witterungsjournal] weiset aus: ,18. Juni, kalte Nacht mit Eisbildung, den 24., 25., 27. und 29. Juni, kalte Nebel, vom 20. auf den 21. Juni strenger Frost, der Erdäpfel, Kukurutz u. A. strichweise vernichtet; am 23. Juli starker Reif ...` Trotz der den Leuten zur Benutzung überlassenen Wald­wiesen von Weidenheim existiert auch hier Mangel an Viehfutter, es ist daher eine Vermehrung des Viehstandes nicht angezeigt. An Fleiß und Anstrengung haben es die Leute hier nicht fehlen lassen, das zeigen die Wirtschaftsgebäude und die Bestellung der Felder; aber zum ferneren selbst nur teilweisen Verbleiben in diesen Bergen waren sie nicht zu bewegen ..."

      Auch über Lindenfeld weiß der General nur Negatives zu berichten:

      „Jetzt haben sich die Lindenfelder mit dem Ackerbau schon ziemlich bekannt` gemacht. Anfänglich war unter ihnen nur ein einziger Bauer, dann Ein Kohlen­brenner, Ein Schuster und 33 Weber ... In mehreren Häusern fand der General-' ,bloß einige Erdäpfel`, in anderen gar keine Nahrungsmittel'. Die Leute kochen nur Kraut und Erdäpfel. Es herrscht da die bitterste Not ...` In_ mehreren  Häusern ließ sich der General die Truhen mit den Sonntagskleidern' öffnen und überzeugte sich auch in den anderen Orten, daß die Ansiedler oft wirklich keine Kleider mehr haben, auf was sie mit tränenden Augen hindeuteten ...` Manche Ansiedler haben ein nicht unbedeutendes' Vermögen aus Böhmen mitgebracht, , jetzt ist Alles aufgezehrt ... Den Lindenfeldern wurde die Anschaffung von Vieh empfohlen und die Überlassung der ärarischen Waldwiesen in Aussicht ge­stellt; allein sie lehnten Alles ab, alles Zureden half nichts, sie bestehen auf Über­siedlung in eine bessere Gegend ... In rumänische Grenzortschaften wollen sie keinesfalls zugeteilt werden wegen Kirche und Schule' ..."

      Die ersten negativen Nachrichten der enttäuschten Ansiedler waren bereits kurz nach deren Niederlassung nach Böhmen gedrungen. Sie trugen wesentlich dazu bei, daß der Auswanderungsstrom in die Grenzgebiete des Banats bald zum Versiegen kam. Hinzu kamen die verschärften Ausreisebestimmungen der böh­mischen Behörden; denn man hatte bereits am 13. März 1827 in einem Schreiben an die Wiener Hofkanzlei von seiten des Guberniums Vorbehalte gegen diese Auswanderung gemacht.

      Weidenheim (Rachita), etwa fünf Kilometer östlich von Weidenthal, das von den Militärbehörden als fünfte Ansiedlung in diesem Gebiet ausersehen war,_ konnte daraufhin nicht mehr besiedelt werden. In dieser Gemeinde sollten 140 Familien wohnen. Obwohl sie bereits mit den erforderlichen Aufnahmeunter, lagen ausgestattet waren, blieben sie schließlich in Böhmen.

      Die Ansiedlung der Kolonisten erwies sich nach dem Auftreten dieser Schwie­rigkeiten für alle Beteiligten als ein Fehlgriff. Es war aber verständlich, daß die Militärgrenzbehörden dem Wunsch der Siedler nach Verlassen der Dörfer ab­lehnend gegenüberstanden. Harte Auseinandersetzungen, zahlreiche Inspektionen und ein reger Schriftverkehr waren erforderlich, bis schließlich vom Hofkriegs­rat in Wien die Genehmigung zum Verlassen der Ortschaften erteilt wurde. Am 10. Juli 1833 konnte das Regimentskommando in Temesvar dann die Meldung machen, daß die Absiedlung aus den vier deutschen Ortschaften der Banater Mili­tärgrenze erfolgt ist.

      Den Ansiedlern wurde freigestellt, nach Böhmen zurückzukehren oder sich in einem anderen Gebiet der Monarchie niederzulassen. Denjenigen, die einen Be­ruf erlernt hatten, wurde empfohlen, in die bestehenden Militärkommunitäten'" - Siedlungen mit städtischem Charakter - überzusiedeln.

      Von den vier Gemeinden blieb lediglich Lindenfeld bewohnt. Hierher über­siedelten 17 Familien aus der 150 Meter höher gelegenen Nachbargemeinde Wolfs­wiese. Zusammen mit der nicht absiedelnden Familie des Johann Haidl verblie­ben 18 in diesem Ort. 45 weitere Familien entschieden sich für das im Temesch­Tal gelegene Alt-Sadova, nachdem die Rumänen, die hier gewohnt hatten, von den Militärgrenzbehörden die Erlaubnis bekamen, wieder in das Gebirgsdorf Neu-Sadova zurückzukehren, das sie vorher zwangsweise hatten verlassen müssen.

      Der überwiegende Teil der abwandernden Familien, insgesamt 268, siedelte sich in dem zu Ungarn gehörenden westlichen Banat an. Während die gelernten Handwerker in dieser neuen Heimat bald wieder Fuß fassen konnten, hatten es die Ungelernten und die Bauern ganz besonders schwer. Nur wenige konnten mit den ihnen verbliebenen Ersparnissen einen Hof übernehmen. Die meisten ließen sich als Pächter nieder, und manche gingen auch als Tagelöhner.

      Bald wurde diesen Abwanderern jedoch klar, daß sie sich abermals getäuscht hatten. Das Leben in der neuen Heimat, für die meisten als Pächter auf fremdem Boden, war noch schwerer als in den gerade verlassenen Bergdörfern. Getreide wurde im ersten Jahr kaum geerntet, weil, durch die Umsiedlung bedingt, der Anbau viel zu spät erfolgt war. Graßl, der als Kind diese Wirren miterlebt hat,

      schreibt darüber 17:

       „Am allerschlimmsten aber stand es um die Gesundheit der Menschen und Tiere. Vom verzehrenden banater Wechselfieber blieben nur wenige Ansiedler verschont, und von noch anderen bösartigen Krankheiten wurden diese zahlreich hingerafft. Der ohnehin geringe Viehstand wurde durch Seuchen noch vermindert, und was davon übrigblieb, mußte verkauft werden, um Brot herbeizuschaffen, weil die aus dem Gebirge mitgebrachte Leinwand, auch Flachs, Zwirn u. A. ebenfalls zuende waren. Weiber und Mädchen verkauften ihr schönes Kopfhaar für je 20 Kreuzer, um die Not der Ihrigen zu lindern. Die gleich anfangs schiefen Wände der neuaufgeführten Wohnhäuser bröckelten mehr und mehr ab, und gaben ihr Unvermögen, wenigstens den nächsten Winter über Stand zu halten, nur allzu deutlich zu erkennen."

      Die Erkenntnis, daß man sich mit der Absiedlung nur verschlechtert hatte, kam für die Betroffenen zu spät. Die bittere Not, die die meisten der Siedler 1833 im Zivilbanat erleiden mußten, und die nackte Angst um die Existenz zwangen gleichsam zu einer Neubesiedlung der gerade erst verlassenen Bergdörfer; denn hier hatte man wenigstens eigenes Land und ein festes Dach über dem Kopf ge­habt.

      Die ersten Siedler erbaten dann noch im Jahre 1833 in Karansebesch die Wie­deraufnahme in die verlassenen Ortschaften. Der Bitte wurde stattgegeben, und am 19. November 1833 hatten bereits 110 Siedler die Rücksiedelungserlaubnis für Wolfsberg und Weidenthal erhalten.

      Bei der zweiten Ansiedlung im Jahre 1833 gingen

      nach Wolfsberg 53 Familien (35 ehemalige Wolfsberger und 18 von Wolfswiese)

      nach Weidenthal 46 Familien (29 ehemalige Weidenthaler und 17 von Wolfswiese)

      nach Lindenfeld 18 Familien (alle von Wolfswiese) nach Alt-Sadova 8 Familien (alle von Wolfswiese).

      Von den ersten Ansiedlern kehrten nach Wolfsberg 42 und nach Weidenthal 74 nicht zurück. Von den ehemaligen Bewohnern des Dorfes Wolfswiese ließen sich bei der zweiten Ansiedlung je 18 in Wolfsberg und Lindenfeld, 17 in Wei­denthal und 8 in Alt-Sadova nieder.

      Diejenigen Siedler, die zuerst zurückkamen, nahmen sich mit Billigung der Militärbehörden die besten Hausplätze und die am günstigsten gelegenen Feld­und Wiesenparzellen. In den folgenden Jahren wurden auch die bis dahin noch wüst liegenden Parzellen in Bewirtschaftung genommen. Man ließ sich diese Stücke überschreiben, und einzelne Bewohner erhielten auf diese Art und Weise eine nicht unbedeutende Abrundung ihres Besitzes.

      In den nächsten beiden Jahrzehnten nahmen die Gemeinden Wolfsberg, Wei­denthai und Lindenfeld eine recht gute Entwicklung. Zwei Faktoren begünstigten im wesentlichen diesen Aufwärtstrend. Zum einen stand in den wiederbesetzten Dörfern jetzt für weniger Menschen mehr Land zur Verfügung, und zum an­deren waren zum großen Teil nur diejenigen Kolonisten zurückgekehrt, die schon in ihrer böhmischen Heimat mit der Landwirtschaft vertraut gewesen waren.

      Eine bedeutende Erleichterung für die Siedler brachte das neue Grenzgrund­gesetz vom 7. Mai 1850. Bis dahin waren alle Bewohner der Militärgrenze ge­zwungen, in sogenannten Hauskommunionen zu leben, die nur in Ausnahme­fällen geteilt werden durften. Diese Hauskommunion war eine Gütergemein­schaft, zu der alle Mitglieder einer Familie, einschließlich derjenigen, die in diese Familie aufgenommen wurden und eingeheiratet hatten, gehörten. Im Para­graphen 55 der Grenzverfassung von 1807 hieß es dazu: „Damit die Wirth­schaft der Gränzhäuser in Abwesenheit der Dienstmänner ununterbrochen fort­betrieben werden könne, ist das Zusammenleben einer größeren Anzahl von Menschen in dem nämlichen Hause, oder die Haus-Communion unumgänglich

      nöthig

      Das Ausscheiden aus dieser Kommunion mit der Absicht, eine eigene Wirt­schaft zu gründen, war nach dem Paragraphen 72 dieser Grenzgrundgesetze vom 7. August 1807 fast unmöglich: „Kein Hausgenosse darf für sich und seine Fa­milie eine abgesonderte Wirthschaft treiben. Er darf daher keine Grundstücke für sich ankaufen, oder auf seine Rechnung als Pächter bebauen; kein Vieh halten, noch sonst einen besondern Erwerbszweig treiben, welcher ihn von der Hausarbeit abhält. Fällt ihm durch Erbschaft oder Schenkung ein unbewegliches Gut zu, so muß er solches entweder mit dem Hausvermögen vereinigen, oderdie Absonderung von der bisherigen Communion nachsuchen, um es zu beziehen, oder innerhalb zweier Jahre veräußern. Auch das angefallene Vieh muß er ent­weder veräußern, oder zu dem Hausvermögen schlagen 19.«

      Von allen Nebeneinkünften, sofern diese überhaupt bei den bestehenden Beshränkungen möglich waren, mußte das Mitglied einer Hauskommunion einen -Teil an diese abführen. Was in dieser Kommunion gemeinsam erwirtschaftet wurde, war zugleich gemeinsames Hausgut, von welchem auch der Unterhalt derjenigen, die zum Militärdienst abkommandiert waren, bestritten werden mußte.

      Das neue Grenzgrundgesetz von 1850 hob viele der bestehenden Beschränkun­gen auf und schuf damit die Voraussetzung für die bessere Entwicklung der Grenzgemeinden. Das zwischen Kaiser und Siedler bestehende Lehensverhältnis wurde aufgehoben, und Grund und Boden gingen in den Besitz der Siedler über. Auch wurde die Unveräußerlichkeit des Bodens aufgehoben; damit wurde der Weg frei zu einer Bodenmobilisierung, die im Laufe weniger Jahrzehnte schließlich zu starken Flurzersplitterungen führte. Der Teilung des Besitzes wurde zugestimmt, wenn das neue Anwesen mindestens sechs Joch, nämlich eine Viertelansässigkeit, Umfaßte. Damit war aber auch die Teilung der Hauskommunionen möglich ge­worden. Aufgehoben wurde zugleich die unentgeldliche Ararialrobot. Bestehen blieb dagegen die Verpflichtung zu Hilfsarbeiten bei Naturkatastrophen und zu öffentlichen Arbeiten in der Gemeinde.

      Diese Bestimmungen des Grenzgrundgesetzes unterstützten sehr wesentlich den konstanten Aufwärtstrend der vier Gemeinden, der sich schon vor 1850 ange­bahnt hatte. Das galt besonders auch für die Zunahme der Bevölkerung. Wäh­rend Alt-Sadova und in geringerem Maße auch Lindenfeld schon damals im Anziehungsbereich von Karansebesch lagen, wurde die Bevölkerungsentwicklung der weiter abgelegenen Dörfer Wolfsberg und Weidenthal durch die Nähe der Stadt nicht beeinträchtigt.

      Die Zunahme der Bevölkerung in Wolfsberg betrug in der Zeit von 1836 bis 1883, also in knapp 50 Jahren, über 500.

       

      Zunahme der Bevölkerung in Wolfsberg (1836-1920)

      1836

      1843

      1875

      1883

      1920

      202

      403

      655

      744

      1070

       

      Dem Kartenwerk der Franziszäischen Landesaufnahme ist zu entnehmen, daß im Jahre 1865 in Wolfsberg 70, in Weidenthal 69 und in Lindenfeld 19 Häuser bestanden. An Stallungen werden 65, 60 und 10 angegeben.

      Alle vier Gemeinden waren bereits in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts keine reinen Bauerndörfer mehr. Bedingt durch den vielfach ge­ringen Landbesitz ging ein großer Teil der Landwirte einem Nebenerwerb nach.

      Die Eisenhüttenwerke in Reschitz beschäftigten besonders viele Wolfsberger als Holzfäller und Köhler. Der Bau einer Drahtseilbahn zum Holztransport und eines Kanals zum Flößen des Holzes auf Reschitz zu brachten ebenfalls Arbeits­möglichkeiten. Hinzu kam, daß beim Straßenbau immer wieder Arbeitskräfte benötigt wurden.

      Daneben gab es die Dorfhandwerker, die im Nebenerwerb als Tischler, Wag­ner, Schmied, Maurer, Binder, Schuster, Müller und Schlachter tätig waren. Ne­benerwerb brachte auch der Verkauf verschiedener holzverfertigter Gegenstände wie Leitern, Holzgabeln, Rechen, Kiepen und Körbe, die im Winter in der ar­beitsärmeren Zeit verfertigt wurden. In Alt-Sadova bestand eine Holzdrechslerei, deren Betrieb 1930 eingestellt werden mußte.

      Die Kleidung, die man benötigte, wurde mit wenigen Ausnahmen selbst ge­fertigt. Von großer Bedeutung für die eigene Herstellung von Textilien ver­schiedenster Art war der Flachsbau, der noch bis in die fünfziger Jahre dieses Jahrhunderts betrieben wurde. Es gab auf den meisten Anwesen einen Webstuhl, auf dem dann in den Wintermonaten das Gespinst zu Linnen verarbeitet wurde.

      Mit der Zunahme der Bevölkerung wurde schließlich auch die Landreserve immer geringer. Versuche, die ursprünglich für eine Besiedlung vorgesehenen Flächen Weidenheims in Kultur zu nehmen und sich hier niederzulassen, schlugen fehl, da die obersten Behörden eine Besiedlung nicht zuließen. überhaupt verhielt man sich dem Ansinnen der Gemeinden gegenüber, staatliches Waldland für eine weitere Kolonisierung freizugeben, ablehnend.

      Die natürliche Folge dieser Landnot war eine Flurzersplitterung, die Zunahme der Häusler, die in der Regel als Arbeiter bei der Forstwirtschaft Beschäftigung fanden, und eine, wenn auch geringfügige, Abwanderung. Bezeichnend ist, daß die Zunahme der Bevölkerung nach dem Ersten Weltkrieg zurückging. Immerhin zählte man am 3. November 1940 in Wolfsberg 1180, in Weidenthal 1061, in Lindenfeld 328 und in Alt-Sadova 573 Einwohner".

      Kennzeichnend für das Ausmaß der Flurzersplitterung sind die Werte, die Schmidt für Wolfsberg anführt E1:

       

      Besitzstand in Wolfsberg

       

      Jochzahl

      Besitzer in den Jahren

       

      1873

      1878

      1928

      0

      -

      -

      60

      bis 2

      -

      1

      35

      3

      2

      2

      11

      bis 6

      7

      7

      52

      bis 12

      46

      35

      71

      bis 24

      29

      57

      33

      25

      1

      4

      1

      30

      -

      3

      -

      bis 45

      -

      2

      -

      Zusammen

      85

      111

      203

      Ackerfeld

      im Joch

      9371110

      ?

      1442917

       

      4. Das Siedlungsbild der vier deutschböhmischen Banater Gemeinden
      im Grund- und Aufriß

       

      Wolfsberg, Lindenfeld und Alt-Sadova wurden als typische Straßendörfer an­gelegt. Die langgezogene Dorfstraße, die sich in Wolfsberg zum Beispiel über fast zwei Kilometer erstreckt, ist auf beiden Seiten bebaut. Nur sehr selten zweigt ein kurzer Straßenzug von ihr ab. In allen drei Dörfern hat die Hauptzeile eine gestreckte Lage. Während man in Alt-Sadova die Steigung der Straße, die längs des Temesch verläuft, kaum wahrnimmt, beträgt diese in den beiden anderen Ortschaften teilweise mehr als 20 Prozent.

      Weidenthal dagegen ist ein Schachbrettdorf. Die fünf Gassen des Ortes sind unverständlicherweise völlig unabhängig von der Topographie des Geländes ganz schematisch angelegt worden, wobei vier von ihnen fast ein Quadrat bilden. Da Weidenthal auf einem Hügel liegt und die Gassen sich um diesen herumziehen, herrscht hier ein ständiges Auf und Ab mit sehr erheblichen Steigerungen bzw. erheblichem Gefälle.

      Die Straße von Slatina nach Reschitz, an der Wolfsberg und Weidenthal lie­gen, führt nicht durch die beiden Dörfer hindurch, sondern berührt sie nur tangen­tial. Die von ihr ausgehenden Ortseinfahrten erreichen nach einem kurzen, steilen Anstieg, der von den Fuhrwerken ausgefahren und von den starken Frühjahrs­und Herbstregen ausgespült ist, die Dorfstraße.

      Die Häuser dieser Gemeinden waren anfangs aus Holz gebaut. Erst im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts ging man zur massiven Bauweise unter Ver­wendung von Stein und Ziegel über. Man findet zur Straße hin sowohl giebel­als auch traufständige Bauten. Die Hofplätze, ursprünglich alle ein Joch groß, sind inzwischen meist geteilt, so daß sie heute ganz verschiedene Abmessungen haben.

      Wenn auch in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Umbauten an den einzelnen Gebäuden vorgenommen wurden, so ist das ursprüngliche Bauschema doch noch erhalten geblieben. Das Wohnhaus hat eine Abmessung von etwa 16 mal 7 Meter. Es ist in der Regel dreigeteilt in Küche, erstes Zimmer für Wohnen und Schlafen und zweites Zimmer für Wohnen und Schlafen; letzteres als sogenanntes „Para­dezimmer", das nur benutzt wird, wenn Gäste im Haus sind.

      Hinter dem Haus liegen dann der Hofraum, Stall und Scheune. Bei manchen Anwesen ist die Hofeinfahrt mit in das Hauptgebäude, also das Wohngebäude, hineingenommen worden. In diesem Fall wird diese Einfahrt, da sie überdacht ist, gleichzeitig als Tenne genutzt. Neben ihr, auf der anderen Seite des eigent­lichen Wohntraktes, liegt dann in der Regel das sogenannte Häusel mit der Funktion als Sommerküche oder als zusätzlicher Wohn-Schlafraum.

      Von der Gasse aus gesehen ergibt sich dann die Reihenfolge:

      Wohnhaus mit überdachter Toreinfahrt und Häusel, Hofrahm,

      Stallurig und Scheune.

       

      Wohnhaus

       

       

       

      Hinter dem zuletzt genannten Komplex, der Stallung und der Scheune, schließt sich das langgezogene Rechteck des Hausgartens an, der in der Regel in Wolfsberg, Weidenthal und Lindenfeld nach außen hin abfällt, da die Dorfstraßen in diesen drei Gemeinden höher als das umgebende Terrain liegen.

      In diesen Hausgärten findet man wiederum eine ganz bestimmte Einteilung nach einzelnen Funktionen. Gleich hinter dem Stall liegt der Dunghaufen, da­neben der Abort. Interessant ist, daß der Viehmist durch ein Loch in der Wand der Stallung, das sogenannte Mistloch, direkt nach außen geworfen wird. Es folgt nach außen hin ein etwa 15 Meter breiter Rasenstreifen mit einigen Obst­bäumen und dem Heustadel. Daran schließt sich der Gemüsegarten an mit Kohl, Möhren, Zwiebeln, einigen Küchenkräutern und Blumen, und die restlichen 30 Meter dieses Hausgartens sind dann meist mit Kartoffeln, Steckrüben und Klee bebaut.

       

       

      5. Die gegenwärtige ökonomische Basis
      der vier deutschböhmischen Banater Gemeinden

       

      Obwohl Wolfsberg, Weidenthal, Lindenfeld und Alt-Sadova die gleichen ge­schichtlichen Wurzeln im vorigen Jahrhundert haben und fast isoliert in einer fremdsprachigen Umgebung auf einem engbegrenzten Areal von etwa 10 mal 20 Kilometern liegen, stellen sie keine gleichstrukturierte Siedlungseinheit dar.

      Die Wolfsberger, Weidenthaler und Lindenfelder betrachten sich als Gebirgler, und der Kontakt zu ihrer im Temeschtal in nur 20 Kilometer Entfernung ge­legenen Schwestergemeinde Alt-Sadova ist gering. Aber auch zwischen Wolfsberg und Weidenthal einerseits und Lindenfeld andererseits besteht nur wenig Ver­bindung, und der weitaus größte Teil der Bewohner der beiden erstgenannten Orte war noch nie in Lindenfeld, obwohl dieses Dorf nur zwei Stunden zu Fuß von Wolfsberg entfernt liegt. Lediglich Wolfsberg und Weidenthal, die beiden auf Sichtweite liegenden Gemeinden, haben miteinander gutnachbarliche Be­ziehungen und bilden auf der von mehreren Höhenzügen umgebenen Hochfläche mit dieser zumindest eine räumliche Einheit.

      Grund der Absonderung der einzelnen Gemeinden voneinander sind die vor­herrschenden Reliefgegebenheiten, die daraus resultierenden ungünstigen Ver­kehrsverbindungen, aber auch die starke Gebundenheit der Menschen an ihr Dorf inmitten einer wenig siedlungsfreundlichen Umgebung.

      Die ökonomische Basis dieser vier Gemeinden war noch vor wenigen Jahr­zehnten die Landwirtschaft. Inzwischen ist jedoch eine nicht unerhebliche Ver­schiebung eingetreten. In Wolfsberg gewinnt der Fremdenverkehr zunehmend an Bedeutung, und hier, wie auch in Alt-Sadova, pendeln die meisten männlichen Erwerbstätigen aus.

      Diese Umstrukturierung hat ihren Grund sowohl in den unterschiedlichen Valenzen zwischen den einzelnen Gemeinden und den ihnen übergeordneten Zentren als auch in den unterschiedlichen Bindungen der Dorfbewohner an tra­ditionelle Wirtschaftsweisen .

      a) Landwirtschaft

      Die natürlichen Grundlagen dieses Wirtschaftszweiges

      Wolfsberg, Weidenthal und Lindenfeld sind Gebirgsdörfer. Die Reliefverhält­nisse in den einzelnen Gemarkungen sind für die Landwirtschaft, insbesondere den Feldbau, sehr ungünstig. Eine Hangneigung der Felder von 20 Prozent ist keine Seltenheit. Bei den Weideflächen sind diese Winkel oft noch größer. Die starke Zertalung des Geländes durch eine Vielzahl von Rinnsalen und zahlreiche Quellnischen löst die einzelnen Gemarkungen in ganz unterschiedlich gestaltete Teilgebiete auf.

      Die Bodenwertzahlen sind niedrig und liegen zwischen 10 und 40 Punkten. Der flachgründige Verwitterungsboden über Schiefer ist meist leicht sandig. Staunässe, vor allem auf Wiesenparzellen, ist recht häufig anzutreffen. Die kli­matischen Gegebenheiten, durch hohe Niederschläge und früh einsetzende Fröste gekennzeichnet, wirken ebenfalls mindernd auf die Erträge.

      Lindenfeld, an der Nordostabdachung des Banater Gebirges gelegen, hat eine günstigere Lage als Wolfsberg und Weidenthal. Es ist wie diese beiden Gemein­den nicht allseitig von Einzelerhebungen und Höhenzügen umgeben, und Kalt­luftseen können sich nur an besonders tief gelegenen Stellen ausbilden. In dieser zum Vorgebirge hin offenen Gemeinde gedeiht in 750 Meter Höhe sogar der Mais.

      In Alt-Sadova dagegen bestehen klimatisch bedingte Höhengrenzen des Anbaus für die Feldkulturen nicht. Doch weist das Relief auch in dieser Gemarkung be­trächtliche Höhenunterschiede auf.

      Die Besitzverhältnisse

      Die vier deutschböhmischen Banater Gemeinden gehören zu den wenigen in der Volksrepublik Rumänien, in denen heute weder eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft noch ein Staatsgut besteht. Es hat zwar nach dem Zweiten Weltkrieg nicht an Versuchen gefehlt, in diesen Gemeinden Genossen­schaften zu gründen, so 1946 der Versuch, eine Vieh-LPG zu organisieren, doch die geringe Rentabilität und die Unmöglichkeit, hier größere Maschinen zur Feld­bestellung und zur Ernte auf den Feldern einzusetzen, ließ diese Initiativen bald im Keim ersticken.

      Die Gemarkungen r vier Dörfer sind heute sehr stark zersplittert. Zahl­reiche Landwirte hab n me als 10 Parzellen, wobei sie zu den entfernteren mit dem ochsenbespannten Wa n manchmal über eine Stunde auf ausgefahrenen Hohlwegen zurückle               üssen.

      Die meisten der Anwesen haben nur eine Größe von fünf bis zehn Hektar. Einzelne Parzellen von 0,5 Hektar sind keine Seltenheit.

      Eine Befragung in den einzelnen Gemeinden über die Besitzgrößen hatte das folgende Ergebnis 22:

       

      22 In Alt-Sadova konnte leider keine genaue Erhebung vorgenommen werden. überhaupt ist die eigene Ermittlung statistischer Werte mit sehr großen Schwierigkeiten verbun­

      den, und offizielle Angaben werden nur in Ausnahmefällen zur Verfügung gestellt.

      Größe der Anwesen

      in Hektar

      Wolf sberg

      Weidenthal

      Lindenfeld

      0- 1

      8

      5

      -

      1- 3

      18

      13

      10

      3- 5

      54

      33

      28

      5-10

      87

      123

      10

      10-15

      3

      1

      1

      über 15

      -

      -

      -

      Zahl der Anwesen

      mit Landbesitz

      170

      175

      48

      Zahl der bewohnten

      Anwesen insgesamt

      210

      223

      48

       

      Die Aufstellung zeigt, daß es in den drei Gemeinden Wolfsberg, Weidenthal und Lindenfeld keine Betriebe mit Größen von über 15 Hektar gibt. Die gleiche Feststellung trifft für Alt-Sadova zu, wo leider die Erhebungen nicht exakt durchgeführt werden konnten. Darüberhinaus ist ersichtlich, daß unter den bei­den Dörfern Wolfsberg und Weidenthal im erstgenannten der Kleinbesitz stärker als im andern verbreitet ist. In der Größenklasse 1 bis 5 Hektar existieren in Wolfsberg 72 Anwesen gegenüber 46 in Weidenthal. In der nächstgrößeren Be­sitzklasse, nämlich 5 bis 10 Hektar, ist das Zahlenverhältnis umgekehrt. In dieser Gruppe bestehen in Wolfsberg 87 Betriebe gegenüber 123 in Weidenthal. Diese Zahlen zeigen bereits, daß die Landwirtschaft für Weidenthal eine größere Be­deutung als für Wolfsberg haben muß.

      Tatsächlich existiert auch in Wolfsberg heute kein landwirtschaftlicher Voll­erwerbsbetrieb mehr. Der zuletzt noch bestehende Vollerwerbslandwirt hat 1971 eine Nebentätigkeit aufgenommen.

      Anders ist die Situation in Weidenthal. Hier bezeichnen sich von den 175 be­stehenden Anwesen noch 109 als „Vollerwerbsbetriebe". Dabei muß jedoch eine wesentliche Einschränkung gemacht werden, denn diese Betriebe sind aufgrund ihrer wirtschaftlichen Struktur eher als Zuerwerbsbetriebe zu charakterisieren. Während nämlich in Wolfsberg die arbeitsfähigen männlichen Familienmitglieder in der Regel das ganze Jahr über einer nichtlandwirtschaftlichen Betätigung n gehen und die Frauen und die Alten die Hauptarbeit auf denFeldern verrichten, sind in Weidenthal die männlichen Erwerbstätigen im Sommer in der eigen n Landwirtschaft, im Winter dagegen als Unselbständige beschäftigt. Sie nehmen dann Arbeit im Forst, im Straßenbau oder in Betrieben der Stadt auf, wo sie dann auch während der ganzen Woche wohnen. Nur wenige können es sich erlauben, im Winter zu Haus zu bleiben.

      Insgesamt gibt es in allen vier Dörfern wohl kaum eine Familie, aus der nicht irgendein Familienmitglied während der kalten Jahreszeit im nichtlandwirt­schaftlichen Sektor eine Beschäftigung aufnimmt. Die wirtschaftliche Basis der Höfe, gekennzeichnet durch geringe Besitzgröße, eine vorherrschende Flurzer­splitterung, infolge des ungünstigen Reliefs schwer zu bearbeitende Parzellen und geringwertige Böden, ist zu schmal, als daß sie den Familien eine ausreichende Existenz bieten könnte.

       

      Gemeinde

      Zahl  der

      Anwesen  mit

      Landbesitz

      Anwesen   in  der

      Größenklasse

      5  bis  15  Hektar

      Zahl  der  Anwesen, in dem im Sommer der Familienvater in der eigenen Landwirtschaftarbeit

      Wolfsberg

      170

      90

      -

      Weidenthal

      175

      156

      109

      Lindenfeld

      48

      38

      32

      Alt-Sadova

      ?

      ?

      2

               

       

      Die Bewirtschaftung von Pachtland ist sehr selten. In der Regel wird das Land, welches eine Familie besitzt, auch von dieser bearbeitet und bestellt. Die Möglichkeit, eine Flurbereinigung durchzuführen, ist noch nie diskutiert worden. Auch ist für eine solche Maßnahme die Entwicklung noch nicht weit genug ge­diehen; denn noch zu viele Arbeitskräfte und darüberhinaus fast alle Familien in diesen vier Gemeinden sind noch an die Landwirtschaft in irgendeiner Weise gebunden. Für eine mögliche Flurbereinigung sind offensichtlich die wirtschaft­lichen und sozialen Strukturen noch nicht genügend differenziert.

      Die Organisation der landwirtschaftlichen Betriebe. Der Bodennutzungsgrad

      Die edaphischen und die klimatischen Gegebenheiten lassen in den Gebirgs­gemeinden nur einen sehr beschränkten Anbau zu. Hauptfrüchte sind die Kar­toffel, die auf dem leicht sandigen Verwitterungsboden recht gut gedeiht, und Roggen. Daneben baut man noch etwas Hafer und Futterrüben.

      Die Hektarerträge sind sehr gering, weil man sich immer noch an den über­kommenen Wirtschaftsweisen orientiert. Der größte Teil der vom Verfasser befragten Landwirte sah sich nicht einmal in der Lage, auch nur einigermaßen zutreffende Angaben über die Ernteerträge zu machen. Im Mittel werden jedoch vom Hektar 12 Doppelzentner Roggen und 150 Doppelzentner Kartoffeln ge­erntet.

      Der Milchertrag liegt je Kuh bei etwa 1 800 Liter im Jahr, wobei im Sommer, wenn die Tiere auf die Hutweide getrieben werden, je Abend etwa sieben bis zehn Liter anfallen, was für die Zeit des Viehtriebs, der ungefähr am 15. Mai be­ginnt und am 15. Oktober eines jeden Jahres endet, etwa 1 100 Liter ausmacht. Dieser Milchertrag könnte erheblich höher sein, wenn eine ausreichende Futter­basis vorhanden wäre. Gerade in der Winterszeit fehlt aber das Kraftfutter. Hin­zu kommt, daß das hier geerntete Heu nur eine geringe Futterqualität besitzt.

      Während des Sommers wird das gesamte Milchvieh auf die Hutweide getrie­ben. Diese umfaßt in Weidenthal etwa 400 Hektar. Die Zahl der 1971 ausge­triebenen Kühe betrug hier etwa 210.

      Die Viehhaltung beschränkt sich auf ein bis vier Kühe je Haushalt und die gleiche Anzahl Schweine. In den letzten Jahren ist der rumänische Staat dazu übergegangen, Mastvieh aus Privathand zu kaufen. Einige Landwirte nutzen diese Möglichkeit, sofern sie ausreichend Stallung haben, und stellen einige Kälber zusätzlich ein, wobei sie dann auch staatliche Zuteilungen von Futtermitteln wie Mais und Kleie erhalten.
      Die Düngung der Felder ist unzureichend. Es wird fast nur natürlicher Dung verwendet, der jedoch mengenmäßig nicht ausreicht, um den Boden vollständig zu regenerieren. Die Folge davon sind geringe Hektarerträge und eine nicht ausreichende Futterbasis.
      Der Tedinisierungsgrad
      Die Rückständigkeit der Landwirtschaft in diesen vier Gemeinden wird offenbar, wenn man bedenkt, daß keiner der Bauern landwirtschaftliche Maschinen besitzt. Wenn auch die Bearbeitung der Felder durch das bewegte Relief beeinträchtigt wird, so wären kleine, leistungsfähige Traktoren durchaus einsatzfähig. Doch zu dieser Anschaffung fehlt das Kapital. Wichtigstes Zugtier ist das Pferd. Doch verwenden manche Landwirte lediglich nur Rindvieh als Zugkraft. Die Milchleistung der Tiere wird auf diese Art und Weise aber weiter gemindert.
      Das Getreide wird ebenso wie das Gras mit der Sense gemäht. Ein vom Verfasser während der Mahd befragter Bauer benötigte für eine Fläche von etwa einem Morgen acht Stunden Arbeitszeit. Der Drusch des Korns geschieht ebenso ohne jeden Maschineneinsatz.
      Die Ackerwagen sind wegen der schlechten Wege nicht gummibereift. Auf den abschüssigen Wegen in der Feldmark und im Dorf werden unter die Holzräder Bremsschuhe gesetzt, durch deren Spuren die Erosion der nicht oder nur ungenügend befestigten Wege gefördert wird.
      Der Zustand der Wirtschaftsgebäude
      Auf fast jedem der bestehenden Anwesen befinden sich ein Stall und eine Scheune. Die Stallung ist in der Regel niedrig, eng und nur ungenügend gelüftet. Sie besteht vielfach nur aus einem Raum mit Verschlägen für das Zugvieh, das Milchvieh und die Schweine. Ebenso baufällig wie die Stallung ist meist die Scheune, die oft nur Bretterwände hat.
      Entsprechend der geringen Größe dieser landwirtschaftlichen Betriebe sind beide Wirtschaftsgebäude nur klein. Für eine Modernisierung fehlt das Geld. Hinzu kommt, daß Baumaterialien im heutigen Rumänien nur mit größter Mühe zu beschaffen sind und auch erst von weit her antransportiert werden müssen.
      Gemessen an den Maßstäben, die bei modernen landwirtschaftlichen Betrieben angelegt werden, weist der bauliche Zustand der Wirtschaftsgebäude überall in diesen Dörfern erhebliche Mängel auf. Da jedoch moderne Betriebe, an denen man sich orientieren könnte, auch in den rumänischen Nachbargemeinden nicht existieren, wirtschaftet man ohne Vergleichsmöglichkeit weiter nach altväterlicher Sitte.
      b) Der Fremdenverkehr in Wolfsberg
      Die wenigen weiter vorausschauenden Bewohner der vier deutschböhmischen Banater Gemeinden sehen heute die wirtschaftliche Chance für die drei Gebirgsdörfer im Fremdenverkehr. Tatsächlich sind die Voraussetzungen für diesen

      Wirtschaftszweig hier außerordentlich günstig. Die hohe Mittelgebirgslage zeih-3 net sich durch ein kräftiges Reizklima aus und sichert sowohl eine Sommer- wi eine Wintersaison.

      Ein bunter Wechsel von Feldern, Wiesen und ausgedehnten Wäldern, klare Bergbäche, der 1969 erst fertiggewordene Stausee, der den Brebul-, den Gradiste­und den Semenikbach bei ihrem Zusammenfluß, dem Temeschsprung, staut und der eine Länge von über fünf Kilometern hat, die Nähe der Semenik- und der Geznaspitze, der höchsten Erhebungen des Banater Berglandes, und ein unver­fälschtes Dorfleben bieten optimale Voraussetzungen für den Fremdenverkehr, der vorerst nur auf Wolfsberg beschränkt ist.

      Das Verdienst, die sich hier für diesen Wirtschaftszweig bietenden Chancen erkannt zu haben, gebührt einem einzigen Manne, dem heute noch lebenden früheren Kaufmann und Gastwirt von Wolfsberg, Jacob Weinfurther. In seiner Gaststube wurde 1925 der Gedanke geboren, Fremdenverkehr in Wolfsberg auf­zunehmen. Auf eine Zeitungsannonce hin kamen dann 1928 die ersten Gäste mit einem Pferdewagen von Slatina herauf. Es waren während des ganzen Jahres insgesamt 42 Personen.

      Zehn Jahre später hatte Wolfsberg bereits vier Restaurationen und eine durch­gehende Fremdensaison. In jenem Jahr wurden im Sommer 4 000 und im Winter 2 000 Gäste gezählt. Die Aufnahmekapazität der Häuser, deren Besitzer sich längst durch Vermieten von Zimmern auf die Fremden eingestellt hatten, war erschöpft, so daß man schließlich versuchte, die Nachbargemeinde Weidenthal mit in das Geschäft einzubeziehen. Hier allerdings stieß man mit wenigen Aus­nahmen auf taube Ohren. Die Chance wurde in diesem Ort nicht erkannt, und auch heute nehmen nur wenige Fremde den Weg nach Weidenthal.

      Krieg und Nachkriegszeit brachten den Fremdenverkehr zum Erliegen, doch in den letzten Jahren setzte er wieder allmählich ein. Allein bis zum Beginn des Monats August waren 1971 etwa 1 400 Fremde, von den Einheimischen „Luft­schnapper" genannt, in Wolfsberg. Die Fremdenbettenkapazität im Ort beträgt etwa 600, und es gibt kaum ein Haus, in dem nicht vermietet wird.

      Seit 1936 besteht das Lehrerheim, an dessen Stelle ursprünglich ein großer Hotelkomplex mit finanzieller Beteiligung einer Schweizer Finanzgruppe ge­plant war, wobei der Zu- und Abtransport der Feriengäste mit Hilfe einer Drahtseilbahn geschehen sollte. Dieses Heim ist gegenwärtig von der Sportschule in Temesvar gemietet und beherbergt vorwiegend Lehrer und Schüler. Ein primi­tiver Campingplatz befindet sich am Ortseingang neben der Mühle.

      Auf Initiative des Kaufmanns Weinfurther werden die Fremden in einem grö­ßeren Lokal auf seinem Grundstück beköstigt. Diese Restauration wird gegen­wärtig noch von der örtlichen Einkaufsgenossenschaft geführt, doch wird sie ab 1972 wahrscheinlich in die Hände des staatlichen Touristenunternehmens ONT übergehen. Im August 1971 konnten hier täglich 130 Mittagessen ausgegeben werden.

      Der An- und Abtransport der Gäste, die aus allen Teilen Rumäniens, vorwie­gend jedoch aus dem Banat kommen, geschieht zur Zeit noch mit einem gemiete­ten Lastkraftwagen, auf dessen überdachter Ladefläche Sitzbänke angebracht wurden. Dieser sogenannte Bus verkehrt wöchentlich dreimal zwischen Wolfsberg und Karansebesch.

      Einen starken Aufschwung des Fremdenverkehrs verspricht man sich von dem für die nächsten Jahre vorgesehenen Ausbau der Straße zwischen Slatina und Wolfsberg. Bis auf das Straßenstück zwischen Wolfsberg und Franzdorf würde dann eine asphaltierte Verbindung zwischen Karansebesch und Reschitz über Slatina bestehen.

      Das staatliche Reisebüro ONT hat inzwischen längst die sich hier bietenden Möglichkeiten erkannt und will ab 1972 alle bestehenden Fremdenverkehrsein­richtungen in und um Wolfsberg in eigener Regie übernehmen. Vor allem der seit fast zwei Jahren leerstehende Touristenkomplex am Stausee, der für etwa 120 Personen konzipiert wurde, soll für den Fremdenverkehr in Wert gesetzt werden. Der Bau eines großen Campingplatzes an der herrlich gelegenen Wasser­fläche ist vorgesehen.

      Es ist schon jetzt anzunehmen, daß der Fremdenverkehr mit Hilfe der ONT eine sprunghafte Steigerung erfahren wird; denn der Privatinitiative mangelt es vor allem an Kapital, welches staatlichen Unternehmen aber zur Verfügung steht, vor allem, wenn sie Entwicklungschancen aufweisen können.

      Es ist durchaus auch damit zu rechnen, daß der Fremdenverkehr Eingang in Weidenthal finden wird. Das ebenfalls hochgelegene Lindenfeld liegt dagegen verkehrsmäßig so abseits, daß auch in absehbarer Zeit mit der Aufnahme eines ständigen Sommerfrischeverkehrs nicht gerechnet werden kann. Es bestehen allerdings Pläne, auf dem Areal der Wüstung Wolfswiese in 950 Meter Höhe ein Genesungsheim zu errichten.

      c) Die Erwerbstätigkeit im primären, sekundären und tertiären Sektor

      Außer in der Landwirtschaft bestehen in allen vier Gemeinden kaum Erwerbs­möglichkeiten. Es existieren hier weder Industriebetriebe noch besteht ein ausge­prägtes Handwerk. Die vorhandenen Handwerkseinheiten produzieren lediglich für den Bedarf des Dorfes und betreiben darüberhinaus ebenfalls Landwirtschaft. Wenige Arbeitsplätze bestehen bei der Gemeinde und der örtlichen Handelsge­nossenschaft.

      Die Auswertung der Beschäftigtenstatistik zeigt jedoch, daß die starren Bin­dungen an die Landwirtschaft langsam aufgegeben werden und mehr und mehr die jüngeren Erwerbstätigen Beschäftigung in der Stadt aufnehmen. Dieser Prozeß ist allerdings in den einzelnen Gemeinden unterschiedlich weit gediehen. Während sich zum Beispiel in Lindenfeld und auch in Weidentahl die männlichen Erwerbstätigen im Sommer in der überwiegenden Mehrzahl noch mit der eigenen Landwirtschaft beschäftigen und nur in der kalten Jahreszeit außerhalb des Dorfes Arbeit aufnehmen, sind in Wolfsberg und in Alt-Sadova fast alle männ­lichen Erwerbstätigen .das ganze Jahr über im nichtlandwirtschaftlichen Sektor tätig und arbeiten in der Mehrzahl in den Städten Reschitz und Karansebesch.

      In Anlehnung an die in der Raumordnung in der Bundesrepublik verwendeten Abgrenzungskriterien kann für die vier Gemeinden folgende Zuordnung ge­troffen werden:

      Lindenfeld als Bauerngemeinde, Weidenthal als Bauern-Arbeitergemeinde, Wolfsberg als Arbeiter-Bauerngemeinde, Alt-Sadova als Arbeiter-Bauerngemeinde.

      Lindenfeld

      Lindenfeld ist die kleinste der vier Gemeinden. Die abgeschlossene und ver­kehrsferne Lage hat wesentlich dazu beigetragen, daß von den hier Wohnenden bisher kaum jemand außerhalb des Dorfes Arbeit angenommen hat. Allerdings sind in den letzten Jahrzehnten einige Familien in die Städte abgewandert. So gingen nach 1945 nach Karansebesch die Besitzer von Nummer 6 und Nummer 19 und nach Reschitz die von den Nummern 21, 25, 46 und 51.

      In der Gemeinde existieren 48 Anwesen. Von den Erwerbstätigen bezeichnen sich 29 als Landwirte, die jedoch ohne Ausnahme im Winter als Waldarbeiter beim Staatsforst einen Zuerwerb haben. Unter den übrigen sind je zwei Schmiede, Tischler, Waldarbeiter, ein Förster, ein Elektriker und fünf Pensionäre. Aber auch diese 13 Erwerbspersonen betreiben Landwirtschaft, im Unterschied zu den 29 Bauern jedoch im Nebenerwerb.

      Nur ein Erwerbstätiger arbeitet außerhalb. Er ist Wächter in Reschitz und kommt nur an Wochenenden zurück ins Dorf. Die Strecke, die er dabei zurück­legt, beträgt für die Hin- und Rückfahrt 130 Kilometer.

      Weidenthal

      Wie in Lindenfeld so ist auch in Weidenthal im Beschäftigtensektor noch eine geringe Differenzierung zu beobachten. Zwar ist die Entwicklung hier schon weiter vorangeschritten, doch stammen die Einkommen der Erwerbstätigen wei­terhin zum überwiegenden Teil aus der Landwirtschaft.

      Ähnlich wie in Lindenfeld sind auch hier zwei Drittel der männlichen Er­werbstätigen Zuerwerbslandwirte, die in der kalten Jahreszeit einer Beschäftigung im Forst, beim Straßenbau oder auch in Betrieben der Stadt nachgehen. Eine Arbeit im Winter außerhalb der eigenen Landwirtschaft wird schon deshalb re­gelmäßig angenommen, um später einmal eine Pensionsberechtigung zu haben.

      Von den Nebenerwerbs- und Nichtlandwirten sind die meisten als Hilfsarbei­ter bei verschiedenen Betrieben in Karansebesch beschäftigt. Nur wenige haben eine Spezialausbildung. Sie arbeiten dann entweder im Hüttenkombinat in Re­schitz oder als Zimmerleute und Maurer bei verschiedenen Wanderbauunter­nehmen.

      Es gibt in Weidenthal neben den 129 Zuerwerbslandwirten 19 Arbeiter, neun Lehrer, sieben Pensionäre, sechs Genossenschaftsangestellte, vier Waldarbeiter, drei Maurer, zwei Schmiede und je einen Elektriker, Tischler, Wagner, Tierarzt, Sanitäter, Bibliothekar und Pfarrer.

      Wolfsberg

      Während in Lindenfeld und in Weidenthal das Einkommen der dortigen Be­wohner zum überwiegenden Teil auf der Landwirtschaft beruht, kommt es in

      Wolfsberg aus drei Quellen: der nichtlandwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit im sekundären und tertiären Sektor, dem Fremdenverkehr und der im Nebenerwerb betriebenen Landwirtschaft.

      Der größte Teil der männlichen Erwerbstätigen dieses Ortes ist auf den ver­schiedenen Arbeitsstellen des Reschitzer Kombinates und im Forst beschäftigt. Die Beschäftigtenstatistik weist 44 Waldarbeiter und 41 Maurer auf. Allein auf der Uzina, einer Außenstelle des Hüttenkombinates bei Wolfsberg, arbeiten 60 Erwerbspersonen. Darüberhinaus arbeiten viele auf Baustellen in Reschitz, Karan­sebesch und Ozelu Rosu. Rund 300 Erwerbstätige aus Wolfsberg gehen während des gesamten Jahres einer nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeit nach. Es gibt weder Voll- noch Zuerwerbslandwirte.

      Die Summe der Gehälter und Pensionen, die jährlich in Wolfsberg ausbezahlt wird, beträgt 450 000 Lei gegenüber 200 000 in Weidenthal. Bei diesen Zahlen ist zu berücksichtigen, daß in ihnen die Einkommen aus der Landwirtschaft nicht enthalten sind. Allein die Zahl der pensionsberechtigten Rentner und Altenteiler, derjenigen also, die früher einmal in nichtlandwirtschaftlichen Berufen tätig waren, beträgt in Wolfsberg 32 gegenüber sieben in Weidenthal. In Wolfsberg werden im Jahr 70 000 Lei an Pensionen und in Weidenthal 20 000 ausbezahlt.

      Neben der Landwirtschaft entwickelte sich für die Wolfsberger Familien in den letzten Jahren der Fremdenverkehr mehr und mehr zum wichtigsten Nebener­werbszweig. Man zählte in dieser Gemeinde vom Januar bis zum August 1971 über 1 400 Fremde. Der durchschnittliche Aufenthalt dieser Gäste betrug zwei Wochen. Hat zum Beispiel eine Wolfsberger Familie zwei Erwachsene und zwei Kinder 14 Tage lang in Vollpension, so erhält sie daraus unter Zugrundelegung des ortsüblichen Satzes von 50 Lei je Tag für einen Erwachsenen und 38 Lei für ein Kind ein zusätzliches Bruttoeinkommen von etwa zwei Monatsverdiensten.

      Insgesamt setzt sich das monatliche Einkommen dieser Familie etwa folgender­maßen zusammen: der Arbeitslohn des Mannes mit 1200 Lei, Einkünfte aus dem Fremdenverkehr 500 Lei, Einkünfte aus der Landwirtschaft und aus der Ent­rahmung der Milch 500 Lei und die Rente des Altenteilers mit 500 Lei. Die Summe von 2 500 Lei entspricht dann zwei mittleren Monatsverdiensten, die diese Familie dann das ganze Jahr über je Monat zur Verfügung hat.

      Alt-Sadova

      Wie Wolfsberg so muß auch Alt-Sadova als Arbeiter-Bauerngemeinde cha­rakterisiert werden. Es gibt hier nur noch einen Voll- und einen Zuerwerbsland­wirt. Die Lage an der Eisenbahnlinie erlaubt den meisten Arbeitnehmern ein tägliches Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsstätte. Von den 90 Erwerbs­tätigen fahren 20 nach Karansebesch, 32 sogar bis in das 60 Kilometer entfernte Reschitz und 20 nach Balta Zorato. Darüberhinaus sind einige in der Nachbar­gemeinde Slatina Timisului in der dortigen Genossenschaft und in einer Holz­firma beschäftigt.

      Im Unterschied zu den drei Gebirgsgemeinden sind in Alt-Sadova die meisten Arbeitnehmer qualifizierte Kräfte. Sie arbeiten als Schlosser, Mechaniker, Elek­triker, Tischler und Zimmerleute. Mit wenigen Ausnahmen betreiben aber auch sie Landwirtschaft im Nebenerwerb.

       

      6. Soziale Strukturen

       

      Als die Vorfahren der jetzigen Bewohner der vier Dörfer im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts sich im Bereich der Militärgrenze niederließen, wurde die soziale Struktur der Bevölkerung dieser Ansiedlungen von vornherein durch die damals geltende Grenzverfassung festgelegt. Alle Ansiedler waren zugleich Bauern und Soldaten, wobei die Größe des Grundbesitzes so bemessen war, daß sie den Unterhalt der Grenzerfamilie sicherstellte. Grundbesitz und Militärdienstlast standen in direkter Korrelation. Ein Mittel- oder ein Großbauerntum konnte gar nicht erst entstehen. Alle lebten unter den gleichen obrigkeitlichen Auflagen als Grenzbauern.

      Mit der Aufhebung der Militärgrenze und der Einbeziehung des Banater Ab­schnittes in den ungarischen Staatsverband im Jahre 1873 wurden zwar die bis dahin geltenden Beschränkungen der Bodenmobilität aufgehoben, doch brachte die jetzt geltende Freizügigkeit in den vier deutschböhmischen Banater Gemeinden keinerlei Veränderung in der Besitzstruktur. Das Kleinbauerntum blieb weiterhin bestehen, weil für die Dörfer inmitten des Waldgebirges keine Landreserve mehr vorhanden war und die Bevölkerung in Ermangelung anderer Arbeitsmöglich­keiten sich weder durch Fortgang verringerte noch Land freigab $s.

      Die vier Dörfer behielten eine homogene kleinbäuerliche Struktur ohne jegliche Differenzierung bis in die Gegenwart. Erste Auflösungen dieses Musters ge­schahen dann in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts in dem verkehrs­günstig liegenden Alt-Sadova in Richtung auf die Bildung eines Arbeiter-Bauern­tums. Der gleiche Prozeß setzte dann auch in Wolfsberg ein, wo immer mehr Landwirte eine Beschäftigung auf den in der Nähe des Dorfes liegenden Arbeits­stellen des Reschitzer Hüttenwerkes annahmen. Heute ist dieser Prozeß der Um­wandlung zum Arbeiter-Bauerntum in beiden Gemeinden weitgehend abgeschlos­sen. Weidenthal steht erst am Anfang der Entwicklung, während Lindenfeld noch weitgehend im tradierten Kleinbauerntum mit Zuerwerb verharrt. Man sieht aber auch hier ein, daß die Landwirtschaft keine Zukunft haben wird.

      Die Erlöse der Bauern aus dem Verkauf der Kartoffeln und der Milch sind im Mittel nicht höher als die Verdienste der im nichtlandwirtschaftlichen Sektor tätigen Arbeitnehmer. Die Folge davon ist, daß man in der Landwirtschaft auf der Stelle tritt und keinen Anschluß an zeitgemäße Wirtschaftsformen findet. Demgegenüber steigen langsam die Verdienste der Industriearbeiter.

      Das Zusammenleben der Menschen in diesen vier Dörfern ist noch weitgehend gemeinschaftsbezogen; vielleicht ein Relikt aus der Grenzerzeit. Der Zusammen­halt wird gefördert durch die gemeinsame Sprache, die gemeinsam erlebte Ver­gangenheit und die Überschaubarkeit dieser kleinen Enklaven. Von denen, die fortgingen, ist immer wieder zu hören, daß sie Heimweh nach ihrem kleinen Dorf in den Bergen haben. In der neuen Umgebung heißt es für diese Leute dann

      zs Es hatte in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg nicht an Versuchen gefehlt, die Gemarkunge der Gebirgsgemeinden durch Zukauf aus den staatlichen Wäldern zu ver­

      größern. Die Verhandlungen hatten jedoch keinen Erfolg.immer mit Rumänen und Ungarn  zusammenzuleben, während man hier ein­ander kennt, den gleichen Dialekt spricht und auch Anteilnahme findet.Die Abgeschlossenheit bestimmt auch heute noch weitgehend das Leben und das Denken der Dorfbewohner. Es gibt zum Beispiel immer noch ältere Leute, meist Frauen, die die rumänische Sprache nicht oder nur sehr unvollkommen beherrschen. Die Reise in die Stadt, für die man aus den Gebirgsgemeinden je nach Verbindung einen halben bis einen Tag benötigt, ist immer noch etwas Besonderes.
      In dem Maße allerdings, wie die Männer aus der Landwirtschaft ausscheiden und in der Stadt Arbeit aufnehmen, wie die jüngeren Leute eine Lehre beginnen, vermehrt Fremde in die Dörfer kommen und die ersten Fernseher, Kühlschränke und Motorräder in den Ort gelangen, wird auch die enge Gebundenheit an die immer noch bestehende Dorfgemeinschaft durchbrochen.


      7. Schulbildung und kulturelles Leben


      Die in allen vier Gemeinden bestehenden Grundschulen sind deutsche Schulen mit rumäniendeutschen Lehrern. Die rumänische Sprache, die von den Kindern auf der Schule erst erlernt werden muß, bereitet in der Regel große Schwierigkeiten, weil Kontakt zu den Rumänen kaum vorhanden ist und weil die Kinder auch kaum Gelegenheit haben, das Dorf zu verlassen.
      Die Schulen in Wolfsberg und Weidenthal haben je acht Klassen, wobei in einer Klasse nie mehr als 20 Kinder sind. In Alt-Sadova bestehen vier und in Lindenfeld eine Klasse.
      Es gibt in den vier Gemeinden, vor allem aber in Lindenfeld und Weidenthal, auch heute noch Eltern, die im wesentlichen nur daran interessiert sind, daß ihre Kinder hinreichend lesen und schreiben lernen. Es kommt vor, daß zu Schuljahresanfang nicht alle Kinder in der Schule erscheinen. Die fehlenden werden dann mit großer Sicherheit zu Hause noch als Arbeitskräfte bei der Ernte benötigt.
      In der Regel halten die in diesen vier Dorfschulen erzielten Leistungen einen Vergleich mit den entsprechenden aus den Gemeinden des Tieflandes um Temesvar nicht stand. Der Lernwille ist im allgemeinen nur schwach ausgeprägt und der Sprachschatz ist gering, so daß Schulentlassene wie Erwachsene im Gespräch oft sehr ungewandt erscheinen. Besonders gering ist das Interesse an den naturwissenschaftlichen Fächern.
      Entsprechend der vorherrschenden Einstellung zur schulischen und beruflichen Ausbildung, die sicherlich durch die periphere Lage mit bedingt wird, ist auch die Zahl derjenigen, die außerhalb des Dorfes eine Lehre mit dem Ziel einer abgeschlossenen Berufsausbildung aufnehmen oder die eine weiterführende Schule besuchen, im Vergleich zum Landesdurchschnitt nicht sehr hoch. Immerhin hatte das 800 Einwohner zählende Weidenthal 1971 zwei Lehrerstudenten, einen Studenten der Polytechnischen Hochschule in Temesvar, zwei angehende Krankenschwestern, die in Arad lernten, und einen Schüler auf dem Lyzeum für Waldwirtschaft in Temesvar. Dazu kamen etwa zehn Berufsschüler der Sparten Mechanik und Elektrotechnik, die in Karansebesch lernten und auch dort in einem Internat wohnten. Etwa fünf Jungen besuchten die Autochauffeurschule, um einen Führerschein für Lastkraftwagen zu erwerben.
      Mehr als in Weidenthal nehmen in Wolfsberg und in Alt-Sadova die Schulab­solventen eine berufsbezogene Lehre auf. Es kommt jedoch auch vor, daß die jungen Leute nach Beendigung ihrer Lehrzeit nicht wieder in das Dorf zurück­kehren, da sie in der Stadt eine geregelte Arbeit finden und täglich dann nicht mehrere Stunden für den Weg zur Arbeitsstätte aufwenden müssen.

      Das kulturelle Leben ist in diesen kleinen Orten naturgemäß schwach ausge­prägt. Trotzdem werden seitens der Behörden - das gilt für alle Gebiete Ru­mäniens - nicht unerhebliche Anstrengungen unternommen, dieses kulturelle Leben zu unterstüzten und zu fördern. Jede der vier Gemeinden verfügt über ein Kulturhaus, einen flachen Bau mit einem großen gedielten Saal, einer kleinen Bühne und der Bibliothek.

      Für Wolfsberg und Weidenthal ist zum Beispiel von den Behörden ein Biblio­thekar hauptamtlich bestellt, der die hier vorhandenen 6 000 Bücher verwaltet. Obwohl in beiden Orten keine Rumänen leben, hat diese Bücherei mehr rumäni­sche als deutsche Bände. Viele Dorfbewohner können jedoch die rumänische Li­teratursprache nicht verstehen. Hinzu kommt, daß über ein Viertel des Bücher­bestandes dieser Bibliothek politischen Inhalts ist, der die Dorfbewohner kaum interessiert.

      Trotzdem ist die Bibliothek ständiger Treffpunkt. Vor allem im Winter zieht es die Jugend hierher. In Weidenthal wurde neuerdings von der Gemeinde ein Fernsehapparat in der Bibliothek aufgestellt, so daß jetzt an jedem Abend hier ein Fernsehpublikum anzutreffen ist.

      Die größeren Feierlichkeiten in diesen vier Gemeinden beschränken sich auf den Fasching und die Kirchweih. Darüberhinaus versuchen die Pfarrer im Rah­men der ihnen erlaubten Bewegungsfreiheit Jugendliche wie Erwachsene zu Vor­trägen oder Gesangsabenden zusammenzuführen. Sehr verbreitet ist im Winter das gemeinsame Singen der Mädchen, wobei man sich gegenseitig besucht.

       

      8. Perspektiven

      Die gesamte Untersuchung hat ergeben, daß trotz eines vorhandenen Be­harrungsvermögens die drei Gebirgsdörfer Wolfsberg, Weidenthal und Linden­feld am Beginn eines größeren Umbruches stehen. Die Wandlung vom Klein­bauerndorf zum Arbeiter-Bauerndorf und weiter zum Fremdenverkehrsort ist bisher in Wolfsberg am weitesten gediehen.

      Der Landwirtschaft, bisher die ökonomische Basis, fehlen die Voraussetzungen, um mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung Schritt zu halten. Eine Orientierung auf die Milchviehwirtschaft erscheint angebracht.

      Die Zukunft dieser drei Gebirgsgemeinden wird mit großer Sicherheit im Fremdenverkehr liegen, der hier in den höchstgelegenen Teilen des Banater Berg­landes optimale Bedingungen findet. Für den Ausbau dieses Wirtschaftszweiges,der bisher fast ausschließlich nur auf Wolfsberg beschränkt ist, fehlen allerdings noch wichtige infrastrukturelle Einrichtungen.

      Insbesondere sind zu nennen:

      die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, der Ausbau des Straßennetzes und ein regelmäßiger Omnibusverkehr zwischen diesen Dörfern und den beiden Städten Karansebesch und Reschitz,

      die Verbesserung des Angebotes im gastronomischen Gewerbe, die Errichtung von Restaurationsbetrieben,

      die Erweiterung der Bettenkapazität,

      die Mobilisierung der Privatinitiative,

      die Inwertsetzung des Stausees und seiner Ufer für den Fremdenverkehr durch die Anlage eines Campingplatzes und eines Badestrandes,

      die Anlage eines Skialpinums.

      Für Alt-Sadova, das verkehrsmäßig günstig an der großen Nord/Süd-Achse zwischen Temesvar und Orschova gelegen ist, aber für den Fremdenverkehr kaum einen Anreiz bietet, werden keine großen Veränderungen erwartet. Diese Ge­meinde wird ein Arbeiter-Bauerndorf bleiben, das auf das Zentrum Karansebesch hin orientiert ist.

      Während Alt-Sadova kaum einen Siedlungsanreiz für Fremde bietet, werden der Verkehrsanschluß der drei Gebirgsgemeinden und die Aufnahme eines inten­siv und gezielt betriebenen Fremdenverkehrs sicher auch zu einer Durchsetzung der Bevölkerung mit Fremden führen, sei es daß diese nur saisonal im Dienst­leistungsgewerbe tätig sind, oder sei es daß diese hier Grundstücke oder Wohnungen erwerben.