DIE VIER DEUTSCHBÖHMISCHEN GEMEINDEN WOLFSBERG,
WEIDENTHAL, LINDENFELD UND:.
ALT-SADOVA IM RUMÄNISCHEN BANAT
1. Einleitung
Rumänien ist das einzige Land in Südosteuropa, in
dem gegenwärtig noch in größerer Anzahl Deutschstämmige leben. Ihre
Hauptsiedlungsgebiete sind Sieben_ bürgen mit den wichtigen Zentren Kronstadt (Brasov),
Hermannstadt (Sibiu) Schäßburg (Sighisoara), Mediasch (Media') und das
rumänische Banat mit seinem; Verwaltungsmittelpunkt Temesvar (Timisoara). In
beiden Landesteilen wohn„" etwa je 180 000 Rumäniendeutsche.
Rein deutsche Siedlungen gibt es nach Kenntnis
des Verf. mit Ausnahme der so genannten Böhmischen Dörfer im Verwaltungsbezirk
Caras-Severin in Rumänien heute nicht mehr. Diese Gemeinden liegen in der Nähe
der Stadt Karansebesch (Caransebes) im Banat. Es sind die vier Dörfer Wolfsberg
(Garana), Weidenthal (Brebu Nou), Lindenfeld (Lindenfeld) und Alt-Sadova (Sadova
Veche).
In Wolfsberg und Weidenthal lebt auch heute noch
kein einziger Rumäne. Auch die beiden anderen Gemeinden sind fast rein deutsch.
In Lindenfeld wohnt eine und in Alt-Sadova wohnen drei rumänische Familien'.
Der Hauptgrund für diese einmalige Erscheinung in
der heutigen Volksrepublik - Rumänien mag die Abgeschiedenheit dieser Siedlungen
sein. Wolfsberg, Weidenthal und Lindenfeld liegen im höchsten Teil des Banater
Berglandes in über 800 Meter Meereshöhe, und die Bewohner dieser drei Dörfer
leben hier abseits der großen Verkehrswege unter vergleichsweise ungünstigen
Naturbedingungen. Doch auch Alt-Sadova, obwohl im Tal des Temesch (Timisul) auf
nur 300 Meter Meereshöhe und an einer stark befahrenen Autostraße gelegen, hat
durch seine beengte Lage zwischen den Massiven des Banater Berglandes und des
Westteils der südlichen Hochkarpaten wenig Verbindung zu den rumänischen
Nachbargemeinden.
Neben den Naturbedingten Gegebenheiten -
Abgeschiedenheit, große Höhenlage, ungünstige klimatische Verhältnisse, die nur
geringen Siedlungsanreiz ausüben - sind im wesentlichen historische Gründe für
die Geschlossenheit dieser vier deutschböhmischen Banater Gemeinden anzuführen.
Ihre Bewohner wurden erst sehr spät, im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts,
zur Sicherung der österreichischen Militärgrenze gegen die Türken hier
angesiedelt. Ihre alte Heimat war das westliche Böhmen.
2. Die geographische Lage und die natürlichen
Gegebenheiten im Bereich der
vier deutschböhmischen Banater Gemeinden
Wolfsberg und Weidenthal sind die höchstgelegenen
Dörfer des Banater Berglandes, das den westlichen Ausläufer der Südkarpaten
bildet. Die Kirchen beider Orte als Messpunkte liegen in 955 und in 884 Meter
Meereshöhe''. Lindenfeld, -nur zwei Stunden zu Fuß von Wolfsberg entfernt, liegt
bereits auf der Nordabdachung des Gebirges auf 798 Meter.
Diese höchstgelegenen Teile des Banater
Berglandes werden im Westen und im Osten abgegrenzt durch die Berzava (Birzava),
die am Poniasca-Sattel südwestlich der Piatra Nedei (1438 m ü. NN) entspringt
und durch Franzdorf (Valiug) und Reschitz (Resita) nach Westen fließt, und den
Temesch, der bei Weidenthal aus der Vereinigung des Semenik-, Gradieste- und
Brebul-Baches entsteht, auf Teregova zufließt und dann nordwärts seinen Lauf
über Karansebesch und Lugosch (Lugoj) nimmt.
Delinest (Delinesti) im Norden, zwischen
Karansebesch und Reschitz, liegt bereits in 266 Meter Höhe und
Steiersdorf-Anina (Anina) und Teregova, die das gesamte Massiv im Südwesten und
im Südosten begrenzen, haben 653 bzw.. 420 Meter Meereshöhe.
Innerhalb dieser Abgrenzung liegt ein etwa
Nord-Süd verlaufender Gebirgsstock mit den drei höchsten Gipfeln des Banater
Berglandes; von Nord nach Süd der Semenik (Semenicul, 1447 m), die Gezna-Spitze
(Piatra Gezna, 1449 m) und die Nedei-Spitze (Piatra Nedei, 1438 m). An diese
Kammregion schließen sich nach Süden und Südosten weitere Gipfel über 1200 m an.
Das gesamte Massiv dacht sich nach Norden über Lindenfeld schnell gegen
Karansebesch hin ab. Im Südosten liegt dann bei Teregova die Porta Orientalis,
eine früher wichtige Völker- und Heeresstraße und zugleich Wasserscheide
zwischen dem Temesch und dem Cornea-Bach, der sich bei Herculesbad (Baia
Herculane) mit der Cerna vereinigt und dann bei Orschova (Orsova) die Donau
erreicht.
Das gesamte Gebirgsmassiv ist bis auf die
Rodungen der hier liegenden Dörfer Wolfsberg, Weidenthal und Lindenfeld und
verschiedene Almwiesen dicht bewaldet.
Wolfsberg und Weidenthal liegen auf einer durch
zahlreiche kleine Wasserläufe zerschnittenen Verebnung etwa fünf bzw.. sieben
Kilometer nordnordöstlich
vom Semenik. Am Westrand dieser 'Verebnung
entspringt der Temesch, dessen Quellbäche das gesamte Niveau in ein ständiges
Auf und Ab von kleinen Kuppen, Steilhängen und Kerbtälern aufgelöst haben. Wenn
man von Siatina (Slatina Timisului) heraufkommt, hat man den Eindruck, dass
beide Dörfer in einer großen, weiten Schüssel liegen, die sich nach Westen hin,
wo der Temesch entspringt, öffnet.
Nach dem Abholzen des Waldes hat die Erosion sehr
starke Wirkungen hinterlassen. Es gibt keinen Hang, der nicht zahlreiche Risse
aufweist. Der Untergrund besteht aus leicht zersetzbarem Schiefer und bietet der
Erosion nur wenig Widerstand. Lange Hangrisse und Abrutschungen sind keine
Seltenheit. Tief eingekerbt sind vor allem die hangaufwärts führenden Hohlwege.
Wegen Abrutschungen mussten viele von ihnen verlegt werden, so dass stellenweise
ein ganzes Wegegewirr zu finden ist, wobei die Hohlrinnen bis zu vier Meter
tief liegen.
Der Boden ist sehr mager und weist nur niedrige
Bodenwerte auf. Die starke Zertalung durch die zahlreichen Bäche und Rinnsale
hat dazu geführt, dass kaum Ebenheiten vorhanden sind. Das wirkt sich in der
Weise aus, dass die Landwirte wegen der großen Hängigkeit ihrer Felder und
Wiesen kaum Maschinen einsetzen können.
Klimatisch gesehen wird das gesamte Gebiet von
den rumänischen Geographen als subalpin charakterisiert. Die jährlichen
Niederschläge liegen zwischen 800 und 1200 mm, und die mittlere Jahrestemperatur
beträgt etwa acht Grad Celsius. Im Januar liegt die durchschnittliche Temperatur
bei minus drei und im Juli bei plus 17 Grad. Der erste Schnee fällt in der Regel
bereits im Oktober, und in den Monaten Dezember bis Februar liegt er dann in
einer Höhe bis zu zwei Metern. Anhaltendes Tauwetter setzt danach erst wieder in
der ersten Aprilhälfte ein.
Alt-Sadova liegt im Gegensatz zu Wolfsberg,
Weidenthal und Lindenfeld im Tal. Die Höhenlage dieses Ortes - die Kirche als
Messpunkt - beträgt 303 Meter. Oberhalb der Gemeinde, gegen Teregova noch sehr
eng, beginnt sich das Tal des Temesch hier zu weiten. Trotzdem sind aber auch
hier die Feld- und Wiesenstücke mit wenigen Ausnahmen hängig gelegen. Das Klima
ist jedoch weitaus günstiger. Es wachsen Mais und Weizen, und an den Häusern
finden sich hin und wieder sogar Weinstöcke.
In den drei hochgelegenen Gemeinden gedeihen
dagegen nur wenige landwirtschaftliche Kulturen. Kartoffeln sind hier die
Hauptfrucht. Daneben werden Roggen und ein wenig Hafer gebaut. Andere
Getreidesorten reifen nicht aus.
Unter allen vier Gemeinden liegt nur Alt-Sadova
verkehrsgünstig an der Hauptstraße
Temesvar-Lugosch-Karansebesch-Orschova-Craiova und der ebenfalls auf dieser
Strecke verkehrenden Eisenbahn. Schwer sind dagegen die drei anderen Gemeinden
zu erreichen. Wolfsberg und Weidenthal liegen an der gegenwärtig noch nicht
asphaltierten Straße zwischen Slatina und Reschitz, die von beiden Seiten her in
steilen und engen Windungen die Hochfläche erreicht. Mit dem Personenkraftwagen
können beide Ortschaften nur im Sommer angefahren werden. Linienbusse verkehren
auf dieser Strecke nicht. In der Regel lassen sich hier die Dorfbewohner, wenn
sie Besorgungen in Karansebesch zu erledigen haben, mit den schweren
Lastkraftwagen mitnehmen, die auf dieser Strecke regelmäßig Holz abfahren.
Lindenfeld erreicht man von Karansebesch aus über
Bukin und Poiana. In dieses Dorf kann man aber auch im Sommer mit dem
Personenkraftwagen nur unter großen Schwierigkeiten gelangen. Eine
Straßenverbindung nach Wolfsberg oder Weidenthal besteht nicht. Der zwischen
dieser kleinen Gemeinde und Wolfsberg bestehende Fußweg wird kaum begangen und
ist auch nur wenigen Einheimischen bekannt.
Da großmaßstäbliche rumänische Straßenkarten in
Rumänien im Handel
nicht erhältlich sind, sollen im folgenden die
Anfahrtswege zu diesen vier Gemeinden von Karansebesch aus zusammen mit den
Kilometerangaben aufgeführt werden:
1. Karansebesdi (0 km) - Slatina (19 km) -
Alt-Sadova (21 km) - Teregova - Orschova.
2. Karansebesdi (0 km) - Slatina (19 km) -
Weidenthal (37 km) - Wolfsberg
(43 km) - Franzdorf - Resitz.
3. Karansebesch (0 km) - Bukin (6 km) - Poiana
(12 km) - Lindenfeld
(20 km).
3. Die historische Entwicklung der vier
deutschböhmischen Banater Gemeinden
a) Die
österreichische Militärgrenze im Banat
Nach ihrem Sieg in der Schlacht bei Mohacs 1526
stand den Türken auch das nördliche Südosteuropa offen, und der größte Teil
Ungarns kam in den folgenden eineinhalb Jahrhunderten unter türkische
Herrschaft. Wirtschaftliche Stagnation, ja Niedergang, Bevölkerungsrückgang und
Auflassung von Ortschaften in einzelnen Landesteilen waren die Folge einer
Politik, die nur auf die Ausbeutung der eroberten Gebiete gerichtet war. 1683
wurde sogar Wien belagert, und nur dem Sieg deutscher und polnischer Truppen am
Kahlenberge war es zu verdanken, dass die Türken nicht auch in Mitteleuropa Fuß
fassten.
Der Niederlage der Türken 1683 am Kahlenberge
folgten bald weitere. 1686 wurde Budapest eingenommen und zwei Jahre später
Belgrad, das jedoch 1690 wieder verloren ging. 1697 siegte Prinz Eugen von
Savoyen in der Schlacht bei Zenta, und im Frieden von Karlovitz, der 1699
geschlossen wurde, kamen Ungarn und Siebenbürgen und der größte Teil von
Kroatien und Slawonien an Osterreich. Der Erwerb dieser neuen Landesteile wurde
abgerundet durch die Eroberung des Banats nach dem Siege des Prinzen Eugen 1716
bei Peterwardein. Im Frieden von Passarowitz kamen dann 1718 neben dem Banat
auch das nördliche Serbien mit Belgrad, die Kleine Walachei und Teile Bosniens
an Osterreich.
Die neue europäische Großmacht Osterreich,
siegreich hervorgegangen aus den Türkenkriegen, war entstanden. Es galt nun, die
Neugewonnenen Gebiete wirtschaftlich zu stärken und militärisch abzusichern,
zumal die Türken in die neuen Grenzgebiete immer wieder einfielen'.
Die bekannte österreichische Militärgrenze, die
bereits im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts aus ersten
Grenzverteidigungssystemen gegen die Türken in Kroatien entstanden war', wurde
nun auch auf die eroberten Gebiete im Südosten ausgedehnt.
SW-Rumänien
Dei Banater Grenze
Die Kolonisierungsmaßnahmen
im Banat und die militärische Sicherung dieses Landesteiles geschahen im
wesentlichen unter der Regentschaft der Kaiserin Maria
Theresia, obwohl die ersten
Maßnahmen der Neuordnung bereits unter Karl VI.
von einer in Temesvar bestehenden militärischen
Behörde aus eingeleitet wurden.
1751 erschien ein Erlaß, nach dem nur diejenigen Teile des Banates unter
militärischer Verwaltung bleiben sollten,
in denen größere Militäreinheiten zur Grenzsicherung stationiert waren. Diese
Bezirke waren Panschova, Neu-Palanka,Mehadia und ein
Teil des Karansebescher
Distriktes.
Alle übrigen
Banater
Distrikte erhielten eine Zivilverwaltung
.Während der von den Zivilbehörden
verwaltete Teil des Banates 1778 wieder
Ungarn angegliedert wurde, blieb der unter
Militärverwaltung stehende Teil weiterhin dem Hofkriegsrat in Wien unterstellt.
Man teilte dieses Gebiet in das
Deutschbanater und das Wallachisch-Illyrische Regiment ein, wobei letzteres sein
Stabsquartier ab 1801 in Karansebesch
erhielt.Die gesamte Banater
Militärgrenze nahm also den südlichen Abschnitt des
Banates ein, wobei die Donau im Süden die
Grenze bildete. Mit durchschnittlich 17
Bewohnern je Quadratkilometer war dieses Gebiet zu Beginn des letzten
Jahrhunderts äusserst dünn besiedelt'.
Während jedoch der westliche Teil des
gesamten Grenzabschnittes mit den Hauptorten Panschova, Alibunar und
Weißkirchen
in der Ebene lag und eine höhere Besiedlungsdichte aufwies, wurde der
östliche Teil von den Westausläufern der
Südkarpaten, dem Banater Bergland,
eingenommen, welches vor allem in seinen hochgelegenen Teilen nur wenig Siedlungsanreiz
bietet und in jener Zeit kaum bewohnt war. So musste es ein natürliches
Interesse der Militärbehörden sein, dieses Gebiet durch Aufsiedlung militärisch
zu sichern.1763 war der westliche Teil
der Banater Militärgrenze noch rein serbisch' und
der östliche gebirgige Teil rein rumänisch.
Ausnahmen bildeten nur die Städte, in
denen sich bereits deutsche Kaufleute und Handwerker niedergelassen hatten.
„Einiges änderten die Deutschen, die mit der Invalidenansiedlung ankamen. Die
Hauptansiedlung deutscher Kolonisten an
der Banater Grenze setzt überhaupt erst um 1800 ein. Sie brachte in den
folgenden Jahrzehnten einige tausend Deutsche
aus dem Zivil-Banat, der Batschka und anderen ungarischen Gebieten, aus
dem Sudetenland und Südwestdeutschland in die
Militärgrenze'."
b) Die Gründung und Entwicklung der vier
deutsch-böhmischen Banater Gemeinden
8
Nachdem in den Jahren
1823/25 sich im südlichen Banat tschechische Siedler
niedergelassen hatten', nahm der Hofkriegsrat in
Wien auf Veranlassung des
Generalkommandos in Temesvar Kontakt mit dem Gubernium in Böhmen mit
dem Ziel auf,
Kolonisten für die Banater Militärgrenze anzuwerben. Das Angebot an die auswanderungswilligen Familien umfasste den
kostenlosen Transport, eine zehnjährige Militärdienstfreiheit, den Erhalt einer
halben Grundansässigkeit
in einer Höhe von neun Joch Acker, drei
Joch Wiesen und einem Joch für die Hofstelle,
den unentgeltlichen Erhalt des ersten Samens für die Feldbestellung
und eine Steuerfreiheit von zehn Jahren, wenn
der zu kultivierende Grund noch
bewaldet, bzw.. fünf Jahren, wenn er bereits gerodet war. Das Land wurde als
Erblehen vergeben, wofür die
betreffenden Familien nach Ablauf der zehn Freijahre Militärdienst und
bestimmte Arbeiten ohne jegliches Entgeld zu verrichten
hatten
11
Von seiten des Guberniums
wurde dieses Angebot dann den Kreisämtern in
Böhmen zugeleitet und fand vor allem in den von Natur aus
weniger gut ausgestatteten Böhmerwaldkreisen eine starke Resonanz. In den
Jahren 1827/28 verließen
dann über 1 000 Familien das westliche Böhmen in der Hoffnung, im
Gebiet der Banater
Militärgrenze eine bessere Existenz als daheim gründen zu
können. Schon vorher hatten die dortigen Behörden die von
ihnen ausgewählten Siedlungsplätze vermessen lassen und Blockhütten für den
ersten Aufenthalt errichtet.
Hans Herrschaft` gibt die
Zahl der 1828 im südlichen Banat angesiedelten
böhmischen Familien mit 1 036 an. Nach ihm bestanden 1830
die folgenden mit
Kolonisten aus Böhmen besetzten Dörfer:
|
Weizenried (Poiana Grnik)
Schnellersruhe (PoianaBiger)
Ravenska
Eibenthal (Valea
Tissovici)
Frauenwiese
(Poiana Muieri)
Neu Zsupanek
Schöntal
Schumitza (Sumita)
Lindenfeld
Wolfswiese (Poiana
Lupului)
Wolfsberg (Garana)
Weidenthal (Brebul Nou) |
mit
mit
mit
mit
mit
mit
mit
mit
mit
mit
mit
mit |
469 Einwohnern
266 Einwohnern
237 Einwohnern
356 Einwohnern
186 Einwohnern |
|
93 Einwohnern
281 Einwohnern
123 Einwohnern |
|
166 Einwohnern
256 Einwohnern
444 Einwohnern
597 Einwohnern
|
Während die Siedlungsplätze
in der Nähe von Karansebesch auf Wunsch des dortigen Regimentskommandos und der
beteiligten Kolonisten nur mit deutsch
böhmischen Siedlern besetzt wurden, siedelte man die
tschechischen Familien in
der Nähe von Oravitza (Oravita) an.
Die deutschböhmischen
Ansiedlungen wurden im Laufe des Jahres 1828 besetzt. Der erste Schub mit 56 Familien kam im
Frühjahr nach Weidenthal.
Bis zum Herbst
wuchs diese Zahl dann auf 126
an. Nach Wolfsberg kamen im ersten Jahr
98,
nach Wolfswiese
99
und nach Lindenfeld 36 Familien.
Die Auswertung der bei Schmidt
13
angeführten Angaben über die
Herkunftsorte der
Ansiedler in diesen vier Gemeinden zeigt das folgende Bild
14:
Abstammungsort
des jeweiligen Familienoberhauptes
|
Wolfsberg |
1833/34 |
Kreis Klattau |
45 |
|
|
|
übriges Böhmen |
10 |
|
|
|
Bayern |
8 |
|
|
|
übriges Deutschland |
1 |
|
|
|
Österreich |
1 |
|
|
|
Ungarn |
1 |
|
Weidenthal |
1833/34 |
Kreis Klattau |
25 |
|
|
|
übriges Böhmen |
4 |
|
|
|
Bayern |
12 |
|
|
|
Österreich |
1 |
|
Lindenfeld |
1833 |
Kreis Klattau |
14 |
|
|
|
übriges Böhmen |
2 |
|
|
|
Bayern |
1 |
|
|
|
übriges Deutschland |
1 |
|
Alt-Sadova |
1833/34 |
Kreis Klattau |
31 |
|
|
|
übriges Böhmen |
8 |
|
|
|
Bayern |
7 |
|
Lindenfeld |
1828 |
Kreis Elbogen |
16 |
|
|
|
übriges Böhmen |
2 |
|
|
|
Bayern |
8 |
|
|
|
übriges Deutschland |
10 |
Der Großteil der Kolonisten
stammte danach aus dem Kreis Klattau. Andere Auswanderungsgebiete in Böhmen
waren vor allem der Kreis Elbogen, hier besonders die Orte Roßbach und Asch,
aus denen die evangelischen Kolonisten kamen, die sich bei der ersten Ansiedlung
in Lindenfeld niederließen, ferner die Kreise Pißek und Pilsen. Die bayrischen
Auswanderer kamen vorwiegend aus
Nordostbayern, den Kreisen
Selb und Hof und aus dem Bayrischen Wald. Die
zehn Siedler, die sich
1828
in Lindenfeld niederließen und aus dem „übrigen Deutschland" kamen, waren
fast alle aus Sachsen, besonders aus dem Vogtland.
Die ersten Jahre der
Ansiedlung führten zu einer Katastrophe. Die für die
Landwirtschaft ungünstigen
klimatischen Verhältnisse in der neuen Heimat ließen
nur magere Ernten zu.
Getreide gedieh kaum, nur Kartoffeln, Flachs und Futterrüben warfen einigermaßen zufriedenstellende Erträge
ab. Man war jedoch gewohnt, daß die Basis der Landwirtschaft der Getreidebau war.
Da anfänglich
Verbindungswege zu den tiefergelegenen rumänischen Gemeinden
nicht bestanden, konnte auch kein Warenaustausch stattfinden. Die Siedler
waren Selbstversorger. Der Mangel an Getreide
wirkte sich dahingehend aus, daß eine ausreichende Ernährungsbasis nicht
sichergestellt war. Hinzu kam, daß viele aus dem buntzusammengewürfelten Volk
der ersten Ansiedler, Handwerker und ehemalige
Waldarbeiter, mit der Landwirtschaft nur unzureichend vertraut waren. Diese
laienhafte Kenntnis wirkte sich bei den ungünstigen klimatischen
und edaphischen Gegebenheiten hoch oben im
Banater Bergland besonders stark auf
die Wirtschaftsweise und die Erträge dieser Siedler aus. Es dauerte dann
auch nicht lange, da breitete sich die erste
Unzufriedenheit unter den Bewohnern der gerade erst gegründeten
Ortschaften aus.
Ein Bericht des
Brigadegenerals Schön von Trauenwert, der im Juli
1832
eine
Bereisung der vier
Gemeinden unternommen hatte, bestätigte die Klagen der
Siedler über die hier herrschenden ungünstigen
Lebensverhältnisse
In dem Inspektionsbericht über Wolfsberg heißt
es:
„Die Ernte ist trotz guter, fleißiger Bearbeitung
und Düngung doch nur eine geringe, weil die Lage hoch, der Boden stark sandig und das Klima zu kalt
ist'. Schnee und Kälte dauern bis Ende
April und stellen sich im Herbste wieder
frühzeitig ein; es können daher weder Sommer- noch Winterfrüchte
rechtzeitig angebaut werden und gelangen auch ebenso nicht zur Reife. Bis heute
[13.
Juli 1832]
blühen weder Früchte noch Erdäpfel.' Von der
vorjährigen Ernte wurden Garben
vorgezeigt, an welchen die meisten Ähren blind` und die wenigen Körner
klein waren. Die Erdäpfel waren unreif, speckigt ... `
Es ist auch bei diesen Leuten
eine festaufgedrückte Erscheinung`, daß hier alle Versuche und Anstrengungen
rein vergeblich sind', sich hier auf diesem Boden eine annehmbare ordentliche
Existenz' zu gründen; auch sie bestehen daher auf Absiedelung".
Über Weidenthal wird geschrieben:
Es ist wahrhaft zu bedauern, daß der schon in so großem
Umfange bewerkstelligte Anbau nicht
einmal den Samen abwirft ...` Alle
Feldfrüchte zeigen sich anfangs sehr
schön, gehen aber später durch kalte Regen und Fröste zugrunde ... Die
Winterfrüchte, Weizen und Halbfrucht vom Vorjahre, sind ungenießbar ...
[Das Thermometer und das Witterungsjournal]
weiset aus: ,18. Juni, kalte Nacht
mit Eisbildung, den
24., 25., 27.
und 29. Juni, kalte Nebel, vom
20.
auf den
21.
Juni strenger Frost, der Erdäpfel, Kukurutz u.
A. strichweise vernichtet; am 23.
Juli starker Reif ...`
Trotz der den Leuten zur Benutzung
überlassenen Waldwiesen von
Weidenheim existiert auch hier Mangel an Viehfutter, es ist daher
eine Vermehrung des Viehstandes nicht angezeigt. An Fleiß und Anstrengung
haben es die Leute hier nicht fehlen
lassen, das zeigen die Wirtschaftsgebäude
und die Bestellung der Felder; aber zum
ferneren selbst nur teilweisen Verbleiben
in diesen Bergen waren sie nicht zu bewegen
..."
Auch über Lindenfeld weiß der
General nur Negatives zu berichten:
„Jetzt haben sich die Lindenfelder mit dem
Ackerbau schon ziemlich bekannt` gemacht.
Anfänglich war unter ihnen nur ein einziger Bauer, dann Ein Kohlenbrenner,
Ein Schuster und 33 Weber ... In
mehreren Häusern fand der General-'
,bloß einige Erdäpfel`, in anderen gar keine Nahrungsmittel'. Die Leute kochen
nur Kraut und Erdäpfel. Es herrscht da
die bitterste Not ...` In_ mehreren
Häusern ließ sich der General die
Truhen mit den Sonntagskleidern' öffnen und
überzeugte sich auch in den anderen Orten, daß
die Ansiedler oft wirklich keine
Kleider mehr haben, auf was sie mit tränenden Augen hindeuteten ...`
Manche
Ansiedler haben ein nicht unbedeutendes'
Vermögen aus Böhmen mitgebracht, ,
jetzt ist Alles aufgezehrt ... Den
Lindenfeldern wurde die Anschaffung von Vieh empfohlen und die
Überlassung der ärarischen Waldwiesen in Aussicht gestellt;
allein sie lehnten Alles ab, alles Zureden half nichts, sie bestehen auf Übersiedlung
in eine bessere Gegend ... In
rumänische Grenzortschaften wollen sie
keinesfalls zugeteilt werden wegen Kirche und Schule' ..."
Die ersten negativen Nachrichten der enttäuschten
Ansiedler waren bereits kurz nach deren Niederlassung nach Böhmen gedrungen. Sie
trugen wesentlich dazu bei, daß der
Auswanderungsstrom in die Grenzgebiete des Banats bald zum Versiegen kam. Hinzu
kamen die verschärften Ausreisebestimmungen der böhmischen Behörden;
denn man hatte bereits am 13. März 1827 in einem Schreiben
an die Wiener Hofkanzlei von seiten des
Guberniums Vorbehalte gegen diese
Auswanderung gemacht.
Weidenheim (Rachita), etwa
fünf Kilometer östlich von Weidenthal, das von
den Militärbehörden als fünfte Ansiedlung in diesem Gebiet
ausersehen war,_
konnte daraufhin nicht mehr besiedelt werden. In dieser Gemeinde sollten 140
Familien wohnen.
Obwohl sie bereits mit den erforderlichen Aufnahmeunter,
lagen ausgestattet waren, blieben sie schließlich in Böhmen.
Die Ansiedlung der Kolonisten
erwies sich nach dem Auftreten dieser Schwierigkeiten für alle Beteiligten als ein Fehlgriff. Es
war aber verständlich, daß die
Militärgrenzbehörden dem Wunsch der Siedler nach Verlassen
der Dörfer ablehnend gegenüberstanden. Harte Auseinandersetzungen, zahlreiche
Inspektionen und ein
reger Schriftverkehr waren erforderlich, bis schließlich vom Hofkriegsrat in
Wien die Genehmigung zum Verlassen der Ortschaften erteilt wurde. Am
10. Juli 1833 konnte das
Regimentskommando in Temesvar dann die Meldung
machen, daß die Absiedlung aus den vier deutschen Ortschaften der Banater
Militärgrenze
erfolgt ist.
Den Ansiedlern wurde
freigestellt, nach Böhmen zurückzukehren oder
sich
in
einem anderen Gebiet der Monarchie
niederzulassen. Denjenigen, die einen Beruf erlernt hatten, wurde empfohlen, in
die bestehenden Militärkommunitäten'" -
Siedlungen mit städtischem Charakter -
überzusiedeln.
Von den vier Gemeinden
blieb lediglich Lindenfeld bewohnt. Hierher übersiedelten
17 Familien aus der 150 Meter höher gelegenen Nachbargemeinde Wolfswiese.
Zusammen mit der nicht absiedelnden Familie des Johann Haidl verblieben
18
in diesem Ort. 45 weitere Familien
entschieden sich für das im TemeschTal
gelegene Alt-Sadova, nachdem die Rumänen, die hier gewohnt hatten, von den
Militärgrenzbehörden die Erlaubnis bekamen, wieder in das Gebirgsdorf Neu-Sadova
zurückzukehren, das sie vorher zwangsweise hatten verlassen müssen.
Der überwiegende Teil der abwandernden Familien,
insgesamt 268,
siedelte
sich in dem zu Ungarn gehörenden westlichen
Banat an. Während die gelernten
Handwerker in dieser neuen Heimat bald wieder Fuß fassen konnten, hatten es
die Ungelernten und die Bauern ganz
besonders schwer. Nur wenige konnten
mit den ihnen verbliebenen Ersparnissen einen Hof übernehmen. Die meisten
ließen sich als Pächter nieder, und manche
gingen auch als Tagelöhner.
Bald wurde diesen
Abwanderern jedoch klar, daß sie sich abermals getäuscht
hatten. Das Leben in der neuen Heimat, für die meisten als Pächter auf
fremdem Boden, war noch schwerer als in den
gerade verlassenen Bergdörfern. Getreide
wurde im ersten Jahr kaum geerntet, weil, durch die Umsiedlung bedingt,
der Anbau viel zu spät erfolgt war.
Graßl, der als Kind diese Wirren miterlebt hat,
schreibt darüber
17:
„Am
allerschlimmsten aber stand es um die Gesundheit der Menschen und
Tiere. Vom verzehrenden banater Wechselfieber
blieben nur wenige Ansiedler verschont,
und von noch anderen bösartigen Krankheiten wurden diese zahlreich
hingerafft. Der ohnehin geringe Viehstand
wurde durch Seuchen noch vermindert,
und was davon übrigblieb, mußte verkauft werden, um Brot herbeizuschaffen,
weil die aus dem Gebirge mitgebrachte
Leinwand, auch Flachs, Zwirn u. A.
ebenfalls zuende waren. Weiber und Mädchen verkauften ihr schönes Kopfhaar
für je
20
Kreuzer, um die Not der Ihrigen zu lindern. Die gleich anfangs schiefen
Wände der neuaufgeführten Wohnhäuser
bröckelten mehr und mehr ab, und gaben ihr Unvermögen, wenigstens den nächsten
Winter über Stand zu halten, nur allzu
deutlich zu erkennen."
Die Erkenntnis, daß man sich
mit der Absiedlung nur verschlechtert hatte,
kam für die Betroffenen zu spät. Die bittere Not, die die
meisten der Siedler 1833
im Zivilbanat erleiden mußten, und die nackte Angst um die Existenz
zwangen gleichsam zu
einer Neubesiedlung der gerade erst verlassenen Bergdörfer; denn
hier hatte man wenigstens
eigenes Land und ein festes Dach über dem Kopf gehabt.
Die ersten Siedler erbaten dann noch im Jahre
1833
in Karansebesch die Wiederaufnahme
in die verlassenen Ortschaften. Der Bitte wurde stattgegeben, und am 19.
November 1833
hatten bereits 110 Siedler die Rücksiedelungserlaubnis
für Wolfsberg und Weidenthal erhalten.
Bei der zweiten Ansiedlung im Jahre 1833
gingen
nach Wolfsberg
53 Familien
(35 ehemalige Wolfsberger und
18 von Wolfswiese)
nach Weidenthal 46 Familien
(29 ehemalige Weidenthaler und 17
von Wolfswiese)
nach Lindenfeld
18 Familien
(alle von Wolfswiese) nach Alt-Sadova 8
Familien (alle von Wolfswiese).
Von den ersten Ansiedlern
kehrten nach Wolfsberg 42
und nach Weidenthal 74 nicht
zurück. Von den ehemaligen Bewohnern des Dorfes Wolfswiese ließen
sich bei der zweiten Ansiedlung je 18
in Wolfsberg und Lindenfeld, 17 in Weidenthal
und 8 in Alt-Sadova nieder.
Diejenigen Siedler, die
zuerst zurückkamen, nahmen sich mit Billigung der
Militärbehörden die besten Hausplätze und die am
günstigsten gelegenen Feldund Wiesenparzellen. In den folgenden Jahren wurden auch die bis dahin
noch wüst liegenden
Parzellen in Bewirtschaftung genommen. Man ließ sich diese
Stücke überschreiben, und
einzelne Bewohner erhielten auf diese Art und Weise
eine nicht unbedeutende Abrundung ihres Besitzes.
In den nächsten beiden
Jahrzehnten nahmen die Gemeinden Wolfsberg, Weidenthai und Lindenfeld eine
recht gute Entwicklung. Zwei Faktoren begünstigten im wesentlichen diesen
Aufwärtstrend. Zum einen stand in den wiederbesetzten
Dörfern jetzt für weniger
Menschen mehr Land zur Verfügung, und zum anderen waren zum großen Teil nur diejenigen
Kolonisten zurückgekehrt, die schon
in ihrer böhmischen Heimat mit der Landwirtschaft vertraut
gewesen waren.
Eine bedeutende Erleichterung
für die Siedler brachte das neue Grenzgrundgesetz vom
7.
Mai 1850.
Bis dahin waren alle Bewohner der
Militärgrenze gezwungen, in sogenannten Hauskommunionen zu leben, die
nur in Ausnahmefällen geteilt werden durften.
Diese Hauskommunion war eine Gütergemeinschaft,
zu der alle Mitglieder einer Familie, einschließlich derjenigen, die in diese
Familie aufgenommen wurden und eingeheiratet hatten, gehörten. Im Paragraphen
55 der Grenzverfassung von 1807 hieß es dazu: „Damit die Wirthschaft
der Gränzhäuser in Abwesenheit der Dienstmänner ununterbrochen fortbetrieben
werden könne, ist das Zusammenleben einer größeren Anzahl von
Menschen in dem nämlichen Hause, oder die
Haus-Communion unumgänglich
nöthig
Das Ausscheiden aus dieser
Kommunion mit der Absicht, eine eigene Wirtschaft zu gründen, war nach dem Paragraphen
72 dieser
Grenzgrundgesetze vom 7. August
1807 fast unmöglich: „Kein Hausgenosse darf
für sich und seine Familie eine
abgesonderte Wirthschaft treiben. Er darf daher keine Grundstücke
für sich ankaufen, oder auf seine Rechnung
als Pächter bebauen; kein Vieh halten,
noch sonst einen besondern Erwerbszweig treiben, welcher ihn von der
Hausarbeit abhält. Fällt ihm durch Erbschaft
oder Schenkung ein unbewegliches Gut
zu, so muß er solches entweder mit dem Hausvermögen vereinigen, oderdie
Absonderung von der bisherigen Communion nachsuchen, um es zu
beziehen, oder innerhalb zweier Jahre
veräußern. Auch das angefallene Vieh muß er entweder
veräußern, oder zu dem Hausvermögen schlagen 19.«
Von allen Nebeneinkünften,
sofern diese überhaupt bei
den bestehenden Beshränkungen möglich waren, mußte das Mitglied einer
Hauskommunion einen
-Teil an diese abführen. Was in dieser
Kommunion gemeinsam erwirtschaftet
wurde, war zugleich gemeinsames Hausgut,
von welchem auch der Unterhalt
derjenigen, die zum Militärdienst
abkommandiert waren, bestritten werden
mußte.
Das neue Grenzgrundgesetz
von 1850
hob viele der bestehenden
Beschränkungen auf
und schuf damit die Voraussetzung
für die bessere Entwicklung der
Grenzgemeinden. Das
zwischen Kaiser und Siedler bestehende
Lehensverhältnis
wurde aufgehoben, und Grund und Boden gingen in den Besitz
der Siedler über.
Auch wurde die Unveräußerlichkeit des Bodens
aufgehoben; damit wurde der Weg
frei zu einer Bodenmobilisierung, die
im Laufe weniger Jahrzehnte schließlich zu starken Flurzersplitterungen führte.
Der Teilung des Besitzes wurde
zugestimmt, wenn das neue Anwesen mindestens sechs Joch, nämlich eine
Viertelansässigkeit, Umfaßte. Damit
war aber auch die Teilung der Hauskommunionen möglich geworden.
Aufgehoben wurde zugleich die unentgeldliche Ararialrobot. Bestehen
blieb dagegen die Verpflichtung zu
Hilfsarbeiten bei Naturkatastrophen
und zu öffentlichen Arbeiten in der
Gemeinde.
Diese Bestimmungen des
Grenzgrundgesetzes unterstützten
sehr wesentlich den
konstanten Aufwärtstrend der vier Gemeinden,
der sich schon vor
1850
angebahnt
hatte. Das galt besonders auch für die Zunahme
der Bevölkerung. Während
Alt-Sadova und in geringerem Maße auch
Lindenfeld schon damals im
Anziehungsbereich von Karansebesch lagen,
wurde die Bevölkerungsentwicklung der
weiter abgelegenen Dörfer Wolfsberg und Weidenthal
durch die Nähe der
Stadt nicht beeinträchtigt.
Die Zunahme der Bevölkerung
in Wolfsberg betrug in der Zeit von
1836
bis
1883,
also in knapp
50
Jahren, über
500.
Zunahme der Bevölkerung in
Wolfsberg (1836-1920)
|
1836 |
1843 |
1875 |
1883 |
1920 |
|
202 |
403 |
655 |
744 |
1070 |
Dem Kartenwerk der
Franziszäischen Landesaufnahme ist
zu entnehmen, daß
im Jahre
1865 in Wolfsberg 70, in Weidenthal
69
und in Lindenfeld 19
Häuser
bestanden. An Stallungen werden
65, 60
und 10 angegeben.
Alle vier Gemeinden waren
bereits in den letzten
Jahrzehnten des vorigen
Jahrhunderts keine reinen Bauerndörfer mehr.
Bedingt durch den vielfach
geringen Landbesitz
ging ein großer Teil der Landwirte einem Nebenerwerb
nach.
Die Eisenhüttenwerke in
Reschitz beschäftigten
besonders viele Wolfsberger
als Holzfäller und
Köhler. Der Bau einer Drahtseilbahn zum Holztransport
und
eines Kanals zum Flößen des
Holzes auf Reschitz zu brachten ebenfalls Arbeitsmöglichkeiten.
Hinzu kam, daß beim Straßenbau immer wieder Arbeitskräfte
benötigt wurden.
Daneben gab es die
Dorfhandwerker, die im Nebenerwerb als Tischler, Wagner,
Schmied, Maurer, Binder, Schuster, Müller und Schlachter tätig waren. Nebenerwerb brachte auch der Verkauf verschiedener
holzverfertigter Gegenstände
wie Leitern, Holzgabeln, Rechen, Kiepen und Körbe, die im Winter in der
arbeitsärmeren Zeit verfertigt wurden. In
Alt-Sadova bestand eine Holzdrechslerei,
deren Betrieb 1930 eingestellt werden mußte.
Die Kleidung, die man
benötigte, wurde mit wenigen Ausnahmen selbst gefertigt. Von großer Bedeutung
für die eigene Herstellung von Textilien verschiedenster Art war der Flachsbau, der noch bis in die
fünfziger Jahre dieses
Jahrhunderts betrieben wurde. Es gab auf den meisten Anwesen einen
Webstuhl, auf dem dann
in den Wintermonaten das Gespinst zu Linnen verarbeitet wurde.
Mit der Zunahme der
Bevölkerung wurde schließlich auch die Landreserve
immer geringer. Versuche, die ursprünglich für eine
Besiedlung vorgesehenen
Flächen Weidenheims in Kultur zu nehmen und sich hier niederzulassen,
schlugen fehl, da die obersten Behörden
eine Besiedlung nicht zuließen. überhaupt verhielt
man sich dem Ansinnen der Gemeinden gegenüber, staatliches Waldland für
eine weitere Kolonisierung freizugeben, ablehnend.
Die natürliche Folge dieser
Landnot war eine Flurzersplitterung, die Zunahme
der Häusler, die in der Regel als Arbeiter bei der
Forstwirtschaft Beschäftigung
fanden, und eine, wenn auch geringfügige, Abwanderung. Bezeichnend ist,
daß die Zunahme der
Bevölkerung nach dem Ersten Weltkrieg zurückging. Immerhin
zählte man am
3.
November 1940
in Wolfsberg
1180, in Weidenthal 1061, in
Lindenfeld 328
und in Alt-Sadova
573
Einwohner".
Kennzeichnend für das Ausmaß
der Flurzersplitterung sind die Werte, die
Schmidt für Wolfsberg anführt
E1:
|
|
Besitzstand in Wolfsberg |
|
|
Jochzahl |
Besitzer in den Jahren |
|
|
1873 |
1878 |
1928 |
|
0 |
- |
- |
60 |
|
bis 2 |
- |
1 |
35 |
|
3 |
2 |
2 |
11 |
|
bis
6 |
7 |
7 |
52 |
|
bis 12 |
46 |
35 |
71 |
|
bis 24 |
29 |
57 |
33 |
|
25 |
1 |
4 |
1 |
|
30 |
- |
3 |
- |
|
bis 45 |
- |
2 |
- |
|
Zusammen |
85 |
111 |
203 |
|
Ackerfeld
im Joch |
9371110 |
? |
1442917 |
4. Das Siedlungsbild
der vier deutschböhmischen Banater Gemeinden
im Grund- und Aufriß
Wolfsberg, Lindenfeld und
Alt-Sadova wurden als typische Straßendörfer angelegt. Die langgezogene Dorfstraße, die sich in
Wolfsberg zum Beispiel über
fast zwei Kilometer erstreckt, ist auf beiden Seiten bebaut. Nur sehr
selten zweigt ein
kurzer Straßenzug von ihr ab. In allen drei Dörfern hat die Hauptzeile eine
gestreckte Lage.
Während man in Alt-Sadova die Steigung der Straße, die längs
des Temesch verläuft, kaum wahrnimmt, beträgt diese
in den beiden anderen
Ortschaften teilweise mehr als 20 Prozent.
Weidenthal dagegen ist ein
Schachbrettdorf. Die fünf Gassen des Ortes sind
unverständlicherweise völlig unabhängig von der
Topographie des Geländes ganz schematisch angelegt worden, wobei vier von ihnen
fast ein Quadrat bilden. Da Weidenthal auf
einem Hügel liegt und die Gassen sich um diesen herumziehen,
herrscht hier ein ständiges Auf und Ab mit
sehr erheblichen Steigerungen bzw. erheblichem Gefälle.
Die Straße von Slatina nach
Reschitz, an der Wolfsberg und Weidenthal liegen, führt nicht durch die beiden Dörfer hindurch,
sondern berührt sie nur tangential. Die von ihr ausgehenden Ortseinfahrten erreichen nach einem kurzen,
steilen Anstieg, der
von den Fuhrwerken ausgefahren und von den starken Frühjahrsund
Herbstregen ausgespült ist, die Dorfstraße.
Die Häuser dieser Gemeinden
waren anfangs aus Holz gebaut. Erst im letzten
Drittel des vorigen Jahrhunderts ging man zur massiven
Bauweise unter Verwendung von Stein und Ziegel über. Man findet zur Straße hin
sowohl giebelals
auch traufständige Bauten. Die Hofplätze, ursprünglich alle ein Joch groß,
sind inzwischen meist
geteilt, so daß sie heute ganz verschiedene Abmessungen
haben.
Wenn auch in den letzten Jahrzehnten zahlreiche
Umbauten an den einzelnen Gebäuden vorgenommen
wurden, so ist das ursprüngliche Bauschema doch noch
erhalten geblieben. Das Wohnhaus hat eine
Abmessung von etwa 16 mal 7 Meter. Es
ist in der Regel dreigeteilt in Küche, erstes Zimmer für Wohnen und Schlafen
und zweites Zimmer für Wohnen und
Schlafen; letzteres als sogenanntes „Paradezimmer",
das nur benutzt wird, wenn Gäste im Haus sind.
Hinter dem Haus liegen dann
der Hofraum, Stall und Scheune. Bei manchen Anwesen ist die Hofeinfahrt mit in
das Hauptgebäude, also das Wohngebäude, hineingenommen worden. In diesem Fall
wird diese Einfahrt, da sie überdacht ist, gleichzeitig als Tenne genutzt. Neben
ihr, auf der anderen Seite des eigentlichen Wohntraktes, liegt dann in der Regel das sogenannte
Häusel mit der Funktion als Sommerküche
oder als zusätzlicher Wohn-Schlafraum.
Von der Gasse aus gesehen ergibt sich dann die
Reihenfolge:
Wohnhaus mit überdachter
Toreinfahrt und Häusel,
Hofrahm,
Stallurig und Scheune.
Wohnhaus
Hinter dem zuletzt genannten Komplex, der
Stallung und der Scheune, schließt sich das
langgezogene Rechteck des Hausgartens an, der in der Regel in
Wolfsberg, Weidenthal und Lindenfeld nach außen hin abfällt, da die Dorfstraßen
in diesen drei Gemeinden höher als das umgebende Terrain liegen.
In diesen Hausgärten findet
man wiederum eine ganz bestimmte Einteilung
nach einzelnen Funktionen. Gleich hinter dem Stall liegt
der Dunghaufen, daneben der Abort.
Interessant ist, daß der Viehmist durch ein Loch in der Wand
der Stallung, das sogenannte Mistloch, direkt
nach außen geworfen wird. Es folgt nach außen hin ein etwa 15 Meter
breiter Rasenstreifen mit einigen Obstbäumen und dem Heustadel. Daran schließt
sich der Gemüsegarten an mit Kohl, Möhren,
Zwiebeln, einigen Küchenkräutern und Blumen, und die restlichen 30 Meter
dieses Hausgartens sind dann meist mit Kartoffeln, Steckrüben und Klee
bebaut.
5. Die gegenwärtige
ökonomische Basis
der vier
deutschböhmischen Banater Gemeinden
Obwohl Wolfsberg,
Weidenthal, Lindenfeld und Alt-Sadova die gleichen geschichtlichen Wurzeln im
vorigen Jahrhundert haben und fast isoliert in einer
fremdsprachigen Umgebung auf einem engbegrenzten
Areal von etwa 10 mal
20 Kilometern liegen,
stellen sie keine gleichstrukturierte Siedlungseinheit dar.
Die Wolfsberger,
Weidenthaler und Lindenfelder betrachten sich als Gebirgler,
und der Kontakt zu ihrer im Temeschtal in nur 20
Kilometer Entfernung gelegenen Schwestergemeinde Alt-Sadova ist gering. Aber auch zwischen
Wolfsberg und
Weidenthal einerseits und Lindenfeld andererseits besteht nur wenig Verbindung,
und der weitaus größte Teil der Bewohner der beiden erstgenannten
Orte war noch nie in Lindenfeld, obwohl dieses
Dorf nur zwei Stunden zu Fuß von Wolfsberg
entfernt liegt. Lediglich Wolfsberg und Weidenthal, die beiden
auf Sichtweite liegenden Gemeinden, haben
miteinander gutnachbarliche Beziehungen
und bilden auf der von mehreren Höhenzügen umgebenen Hochfläche
mit dieser zumindest eine räumliche Einheit.
Grund der Absonderung der einzelnen Gemeinden
voneinander sind die vorherrschenden
Reliefgegebenheiten, die daraus resultierenden ungünstigen Verkehrsverbindungen,
aber auch die starke Gebundenheit der Menschen an ihr Dorf
inmitten einer wenig siedlungsfreundlichen
Umgebung.
Die ökonomische Basis dieser
vier Gemeinden war noch vor wenigen Jahrzehnten die Landwirtschaft. Inzwischen
ist jedoch eine nicht unerhebliche Verschiebung eingetreten. In Wolfsberg gewinnt der
Fremdenverkehr zunehmend
an Bedeutung, und hier, wie auch in Alt-Sadova, pendeln die meisten
männlichen Erwerbstätigen aus.
Diese
Umstrukturierung hat ihren Grund sowohl in den unterschiedlichen
Valenzen zwischen den einzelnen Gemeinden und
den ihnen übergeordneten Zentren als
auch in den unterschiedlichen Bindungen der Dorfbewohner an traditionelle
Wirtschaftsweisen .
a) Landwirtschaft
Die natürlichen Grundlagen
dieses Wirtschaftszweiges
Wolfsberg, Weidenthal und
Lindenfeld sind Gebirgsdörfer. Die Reliefverhältnisse in den einzelnen Gemarkungen sind für die
Landwirtschaft, insbesondere den Feldbau,
sehr ungünstig. Eine Hangneigung der Felder von
20 Prozent ist keine
Seltenheit. Bei den Weideflächen sind diese Winkel oft noch größer. Die
starke Zertalung des Geländes durch eine
Vielzahl von Rinnsalen und zahlreiche
Quellnischen löst die einzelnen Gemarkungen in ganz unterschiedlich gestaltete
Teilgebiete auf.
Die Bodenwertzahlen sind
niedrig und liegen zwischen 10 und
40 Punkten.
Der flachgründige Verwitterungsboden über
Schiefer ist meist leicht sandig.
Staunässe, vor allem auf Wiesenparzellen, ist recht häufig anzutreffen. Die klimatischen
Gegebenheiten, durch hohe Niederschläge und früh einsetzende Fröste
gekennzeichnet, wirken ebenfalls mindernd
auf die Erträge.
Lindenfeld, an der
Nordostabdachung des Banater Gebirges gelegen, hat eine
günstigere Lage als Wolfsberg
und Weidenthal. Es ist wie diese beiden Gemeinden nicht allseitig von Einzelerhebungen und Höhenzügen
umgeben, und Kaltluftseen
können sich nur an besonders tief gelegenen Stellen ausbilden. In dieser
zum Vorgebirge hin offenen
Gemeinde gedeiht in 750 Meter Höhe sogar der
Mais.
In Alt-Sadova dagegen
bestehen klimatisch bedingte Höhengrenzen des Anbaus
für die Feldkulturen nicht. Doch weist das Relief auch in
dieser Gemarkung beträchtliche
Höhenunterschiede auf.
Die Besitzverhältnisse
Die vier deutschböhmischen
Banater Gemeinden gehören zu den wenigen in
der Volksrepublik Rumänien, in denen heute weder eine
Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft noch ein Staatsgut besteht. Es hat
zwar nach dem
Zweiten Weltkrieg nicht an Versuchen gefehlt, in diesen Gemeinden Genossenschaften
zu gründen, so 1946
der Versuch, eine Vieh-LPG zu organisieren,
doch die geringe Rentabilität und die
Unmöglichkeit, hier größere Maschinen zur Feldbestellung
und zur Ernte auf den Feldern einzusetzen, ließ diese Initiativen bald
im Keim ersticken.
Die Gemarkungen
r vier Dörfer sind heute sehr stark
zersplittert. Zahlreiche Landwirte hab
n me als 10 Parzellen, wobei sie zu
den entfernteren mit dem
ochsenbespannten Wa n manchmal über eine Stunde auf ausgefahrenen
Hohlwegen zurückle
üssen.
Die meisten der Anwesen
haben nur eine Größe von fünf bis zehn Hektar.
Einzelne Parzellen von 0,5 Hektar sind keine Seltenheit.
Eine Befragung in den
einzelnen Gemeinden über die Besitzgrößen hatte das
folgende Ergebnis
22:
22
In Alt-Sadova konnte leider keine genaue Erhebung vorgenommen werden.
überhaupt ist die eigene Ermittlung statistischer Werte mit sehr großen
Schwierigkeiten verbun
den, und offizielle Angaben werden nur in
Ausnahmefällen zur Verfügung gestellt.
|
Größe der Anwesen
in Hektar |
Wolf sberg |
Weidenthal |
Lindenfeld |
|
0- 1 |
8 |
5 |
- |
|
1- 3 |
18 |
13 |
10 |
|
3- 5 |
54 |
33 |
28 |
|
5-10 |
87 |
123 |
10 |
|
10-15 |
3 |
1 |
1 |
|
über
15 |
- |
- |
- |
|
Zahl der Anwesen
mit Landbesitz |
170 |
175 |
48 |
|
Zahl der bewohnten
Anwesen insgesamt |
210 |
223 |
48 |
Die Aufstellung zeigt, daß
es in den drei Gemeinden Wolfsberg,
Weidenthal und Lindenfeld keine
Betriebe mit Größen von über 15 Hektar gibt. Die gleiche
Feststellung trifft für Alt-Sadova zu,
wo leider die Erhebungen nicht exakt
durchgeführt werden konnten. Darüberhinaus ist ersichtlich,
daß unter den beiden Dörfern Wolfsberg und Weidenthal im erstgenannten
der Kleinbesitz stärker
als im andern verbreitet ist. In der
Größenklasse 1 bis 5
Hektar existieren in
Wolfsberg 72
Anwesen gegenüber 46 in Weidenthal. In der
nächstgrößeren Besitzklasse,
nämlich 5 bis 10 Hektar, ist das
Zahlenverhältnis umgekehrt. In dieser
Gruppe bestehen in Wolfsberg 87
Betriebe gegenüber 123 in Weidenthal. Diese
Zahlen zeigen bereits, daß die Landwirtschaft
für Weidenthal eine größere Bedeutung als für Wolfsberg haben muß.
Tatsächlich existiert auch
in Wolfsberg heute
kein landwirtschaftlicher Vollerwerbsbetrieb mehr. Der zuletzt noch bestehende Vollerwerbslandwirt
hat
1971 eine Nebentätigkeit
aufgenommen.
Anders ist die Situation in
Weidenthal. Hier bezeichnen sich von
den
175
bestehenden
Anwesen noch 109 als
„Vollerwerbsbetriebe". Dabei muß jedoch eine
wesentliche Einschränkung gemacht werden,
denn diese Betriebe sind aufgrund
ihrer wirtschaftlichen Struktur eher
als Zuerwerbsbetriebe zu charakterisieren.
Während nämlich in Wolfsberg die
arbeitsfähigen männlichen
Familienmitglieder in der Regel das ganze Jahr über einer
nichtlandwirtschaftlichen Betätigung
n gehen und die Frauen und die
Alten die Hauptarbeit auf denFeldern
verrichten, sind in Weidenthal die
männlichen Erwerbstätigen im Sommer in der
eigen n Landwirtschaft, im Winter dagegen als Unselbständige
beschäftigt. Sie nehmen dann Arbeit im Forst, im Straßenbau oder in
Betrieben der Stadt auf, wo sie dann auch
während der ganzen Woche wohnen. Nur wenige können es
sich erlauben, im Winter zu Haus zu bleiben.
Insgesamt gibt es in allen
vier Dörfern wohl kaum eine Familie,
aus der nicht
irgendein Familienmitglied während der kalten
Jahreszeit im nichtlandwirtschaftlichen
Sektor eine Beschäftigung aufnimmt. Die
wirtschaftliche Basis der Höfe,
gekennzeichnet durch geringe
Besitzgröße, eine vorherrschende Flurzersplitterung, infolge des ungünstigen
Reliefs schwer zu bearbeitende Parzellen und geringwertige Böden, ist zu
schmal, als daß sie den Familien eine ausreichende
Existenz bieten könnte.
|
Gemeinde |
Zahl der
Anwesen mit
Landbesitz |
Anwesen in der
Größenklasse
5 bis 15 Hektar |
Zahl der Anwesen, in
dem im Sommer der Familienvater in der eigenen Landwirtschaftarbeit |
|
Wolfsberg |
170 |
90 |
- |
|
Weidenthal |
175 |
156 |
109 |
|
Lindenfeld |
48 |
38 |
32 |
|
Alt-Sadova |
? |
? |
2 |
| |
|
|
|
|
Die Bewirtschaftung von Pachtland ist sehr
selten. In der Regel wird das Land, welches
eine Familie besitzt, auch von dieser bearbeitet und bestellt. Die Möglichkeit,
eine Flurbereinigung durchzuführen, ist noch nie diskutiert worden.
Auch ist für eine solche Maßnahme die
Entwicklung noch nicht weit genug gediehen;
denn noch zu viele Arbeitskräfte und darüberhinaus fast alle Familien
in diesen vier Gemeinden sind noch an die
Landwirtschaft in irgendeiner Weise
gebunden. Für eine mögliche Flurbereinigung sind offensichtlich die wirtschaftlichen
und sozialen Strukturen noch nicht genügend differenziert.
Die Organisation der landwirtschaftlichen
Betriebe. Der Bodennutzungsgrad
Die edaphischen und die
klimatischen Gegebenheiten lassen in den Gebirgsgemeinden nur einen sehr beschränkten Anbau zu. Hauptfrüchte sind die
Kartoffel, die auf dem leicht sandigen
Verwitterungsboden recht gut gedeiht, und
Roggen. Daneben baut man noch etwas Hafer und Futterrüben.
Die Hektarerträge sind sehr
gering, weil man sich immer noch an den überkommenen Wirtschaftsweisen
orientiert. Der größte Teil der vom Verfasser befragten Landwirte sah sich nicht
einmal in der Lage, auch nur einigermaßen
zutreffende Angaben über die Ernteerträge zu
machen. Im Mittel werden jedoch
vom Hektar 12
Doppelzentner Roggen und 150 Doppelzentner Kartoffeln geerntet.
Der Milchertrag liegt je
Kuh bei etwa 1 800 Liter im Jahr, wobei im Sommer, wenn die Tiere auf die
Hutweide getrieben werden, je Abend etwa sieben bis
zehn Liter anfallen, was für die Zeit des
Viehtriebs, der ungefähr am 15. Mai beginnt und am 15. Oktober eines jeden
Jahres endet, etwa 1 100 Liter ausmacht.
Dieser Milchertrag könnte erheblich höher sein, wenn eine ausreichende Futterbasis
vorhanden wäre. Gerade in der Winterszeit fehlt aber das Kraftfutter. Hinzu
kommt, daß das hier geerntete Heu nur eine geringe Futterqualität besitzt.
Während des Sommers wird das
gesamte Milchvieh auf die Hutweide getrieben. Diese umfaßt in Weidenthal etwa 400 Hektar. Die Zahl
der 1971
ausgetriebenen
Kühe betrug hier etwa
210.
Die Viehhaltung beschränkt
sich auf ein bis vier Kühe je Haushalt und die
gleiche Anzahl Schweine. In den letzten Jahren ist der
rumänische Staat dazu
übergegangen, Mastvieh aus Privathand zu kaufen. Einige Landwirte nutzen
diese Möglichkeit, sofern sie ausreichend
Stallung haben, und stellen einige Kälber zusätzlich ein, wobei sie dann auch
staatliche Zuteilungen von Futtermitteln wie Mais und Kleie erhalten.
Die Düngung der Felder ist unzureichend. Es wird fast nur natürlicher Dung
verwendet, der jedoch mengenmäßig nicht ausreicht, um den Boden vollständig zu
regenerieren. Die Folge davon sind geringe Hektarerträge und eine nicht
ausreichende Futterbasis.
Der Tedinisierungsgrad
Die Rückständigkeit der Landwirtschaft in diesen vier Gemeinden wird offenbar,
wenn man bedenkt, daß keiner der Bauern landwirtschaftliche Maschinen besitzt.
Wenn auch die Bearbeitung der Felder durch das bewegte Relief beeinträchtigt
wird, so wären kleine, leistungsfähige Traktoren durchaus einsatzfähig. Doch zu
dieser Anschaffung fehlt das Kapital. Wichtigstes Zugtier ist das Pferd. Doch
verwenden manche Landwirte lediglich nur Rindvieh als Zugkraft. Die
Milchleistung der Tiere wird auf diese Art und Weise aber weiter gemindert.
Das Getreide wird ebenso wie das Gras mit der Sense gemäht. Ein vom Verfasser
während der Mahd befragter Bauer benötigte für eine Fläche von etwa einem Morgen
acht Stunden Arbeitszeit. Der Drusch des Korns geschieht ebenso ohne jeden
Maschineneinsatz.
Die Ackerwagen sind wegen der schlechten Wege nicht gummibereift. Auf den
abschüssigen Wegen in der Feldmark und im Dorf werden unter die Holzräder
Bremsschuhe gesetzt, durch deren Spuren die Erosion der nicht oder nur
ungenügend befestigten Wege gefördert wird.
Der Zustand der Wirtschaftsgebäude
Auf fast jedem der bestehenden Anwesen befinden sich ein Stall und eine Scheune.
Die Stallung ist in der Regel niedrig, eng und nur ungenügend gelüftet. Sie
besteht vielfach nur aus einem Raum mit Verschlägen für das Zugvieh, das
Milchvieh und die Schweine. Ebenso baufällig wie die Stallung ist meist die
Scheune, die oft nur Bretterwände hat.
Entsprechend der geringen Größe dieser landwirtschaftlichen Betriebe sind beide
Wirtschaftsgebäude nur klein. Für eine Modernisierung fehlt das Geld. Hinzu
kommt, daß Baumaterialien im heutigen Rumänien nur mit größter Mühe zu
beschaffen sind und auch erst von weit her antransportiert werden müssen.
Gemessen an den Maßstäben, die bei modernen landwirtschaftlichen Betrieben
angelegt werden, weist der bauliche Zustand der Wirtschaftsgebäude überall in
diesen Dörfern erhebliche Mängel auf. Da jedoch moderne Betriebe, an denen man
sich orientieren könnte, auch in den rumänischen Nachbargemeinden nicht
existieren, wirtschaftet man ohne Vergleichsmöglichkeit weiter nach
altväterlicher Sitte.
b) Der Fremdenverkehr in Wolfsberg
Die wenigen weiter vorausschauenden Bewohner der vier deutschböhmischen Banater
Gemeinden sehen heute die wirtschaftliche Chance für die drei Gebirgsdörfer im
Fremdenverkehr. Tatsächlich sind die Voraussetzungen für diesen
Wirtschaftszweig hier
außerordentlich günstig. Die hohe Mittelgebirgslage
zeih-3 net
sich durch ein kräftiges Reizklima aus und sichert sowohl eine Sommer- wi
eine Wintersaison.
Ein bunter Wechsel von
Feldern, Wiesen und ausgedehnten Wäldern, klare Bergbäche, der
1969 erst fertiggewordene
Stausee, der den Brebul-, den Gradisteund den Semenikbach bei ihrem Zusammenfluß, dem
Temeschsprung, staut und
der eine Länge von über fünf Kilometern hat, die Nähe der Semenik- und der
Geznaspitze, der
höchsten Erhebungen des Banater Berglandes, und ein unverfälschtes
Dorfleben bieten optimale Voraussetzungen für den Fremdenverkehr, der vorerst
nur auf Wolfsberg beschränkt ist.
Das Verdienst, die sich
hier für diesen Wirtschaftszweig bietenden Chancen
erkannt zu haben, gebührt einem einzigen Manne, dem heute
noch lebenden früheren
Kaufmann und Gastwirt von Wolfsberg, Jacob Weinfurther. In seiner
Gaststube wurde
1925
der Gedanke geboren, Fremdenverkehr in Wolfsberg
aufzunehmen. Auf eine Zeitungsannonce hin kamen dann
1928 die ersten Gäste mit
einem Pferdewagen von Slatina herauf. Es waren
während des ganzen Jahres insgesamt
42 Personen.
Zehn Jahre später hatte
Wolfsberg bereits vier Restaurationen und eine durchgehende Fremdensaison. In jenem Jahr wurden im Sommer
4 000
und im Winter
2 000
Gäste gezählt. Die
Aufnahmekapazität der Häuser, deren Besitzer sich längst durch Vermieten von
Zimmern auf die Fremden eingestellt hatten, war
erschöpft, so daß man schließlich versuchte, die
Nachbargemeinde Weidenthal mit
in das Geschäft einzubeziehen. Hier allerdings stieß man mit wenigen
Ausnahmen auf taube Ohren. Die Chance wurde in diesem Ort nicht erkannt, und
auch heute nehmen nur
wenige Fremde den Weg nach Weidenthal.
Krieg und Nachkriegszeit
brachten den Fremdenverkehr zum Erliegen, doch
in den letzten Jahren setzte er wieder allmählich ein.
Allein bis zum Beginn des
Monats August waren
1971 etwa
1 400
Fremde, von den Einheimischen
„Luftschnapper"
genannt, in Wolfsberg. Die Fremdenbettenkapazität im Ort beträgt
etwa
600,
und es gibt kaum ein Haus, in
dem nicht vermietet wird.
Seit 1936
besteht das Lehrerheim, an dessen
Stelle ursprünglich ein großer
Hotelkomplex mit finanzieller Beteiligung einer Schweizer Finanzgruppe geplant
war, wobei der Zu- und Abtransport der Feriengäste mit Hilfe einer
Drahtseilbahn geschehen sollte. Dieses Heim
ist gegenwärtig von der Sportschule in
Temesvar gemietet und beherbergt vorwiegend Lehrer und Schüler. Ein primitiver
Campingplatz befindet sich am Ortseingang neben der Mühle.
Auf Initiative des Kaufmanns
Weinfurther werden die Fremden in einem größeren Lokal auf seinem Grundstück beköstigt. Diese
Restauration wird gegenwärtig noch von der örtlichen Einkaufsgenossenschaft geführt, doch wird
sie ab 1972
wahrscheinlich in die Hände
des staatlichen Touristenunternehmens ONT
übergehen. Im August
1971
konnten hier täglich 130
Mittagessen ausgegeben werden.
Der An- und Abtransport der
Gäste, die aus allen Teilen Rumäniens, vorwiegend jedoch aus dem Banat kommen, geschieht zur
Zeit noch mit einem gemieteten
Lastkraftwagen, auf dessen überdachter Ladefläche Sitzbänke angebracht wurden.
Dieser sogenannte Bus verkehrt wöchentlich dreimal zwischen Wolfsberg und
Karansebesch.
Einen starken Aufschwung des
Fremdenverkehrs verspricht man sich von dem
für die nächsten Jahre vorgesehenen Ausbau der Straße
zwischen Slatina und
Wolfsberg. Bis auf das Straßenstück zwischen Wolfsberg und Franzdorf würde dann
eine asphaltierte Verbindung zwischen Karansebesch und Reschitz über Slatina
bestehen.
Das staatliche Reisebüro
ONT hat inzwischen längst die sich hier bietenden Möglichkeiten erkannt und will
ab 1972
alle bestehenden
Fremdenverkehrseinrichtungen
in und um Wolfsberg in eigener Regie übernehmen. Vor allem der
seit fast zwei Jahren
leerstehende Touristenkomplex am Stausee, der für etwa
120
Personen konzipiert wurde,
soll für den Fremdenverkehr in Wert gesetzt
werden. Der Bau eines großen Campingplatzes an der
herrlich gelegenen Wasserfläche ist vorgesehen.
Es ist schon jetzt
anzunehmen, daß der Fremdenverkehr mit Hilfe der ONT
eine sprunghafte Steigerung erfahren wird; denn der
Privatinitiative mangelt es vor allem an
Kapital, welches staatlichen Unternehmen aber zur Verfügung steht,
vor allem, wenn sie Entwicklungschancen
aufweisen können.
Es ist durchaus auch damit zu rechnen, daß der
Fremdenverkehr Eingang in Weidenthal finden
wird. Das ebenfalls hochgelegene Lindenfeld liegt dagegen
verkehrsmäßig so abseits, daß auch in
absehbarer Zeit mit der Aufnahme eines
ständigen Sommerfrischeverkehrs nicht gerechnet werden kann. Es bestehen
allerdings Pläne, auf dem Areal der Wüstung
Wolfswiese in 950 Meter Höhe
ein Genesungsheim zu errichten.
c) Die Erwerbstätigkeit im
primären, sekundären und tertiären Sektor
Außer in der Landwirtschaft
bestehen in allen vier Gemeinden kaum Erwerbsmöglichkeiten. Es existieren hier weder
Industriebetriebe noch besteht ein ausgeprägtes Handwerk. Die vorhandenen Handwerkseinheiten
produzieren lediglich
für den Bedarf des Dorfes
und betreiben darüberhinaus ebenfalls Landwirtschaft. Wenige Arbeitsplätze
bestehen bei der Gemeinde und der örtlichen Handelsgenossenschaft.
Die Auswertung der
Beschäftigtenstatistik zeigt jedoch, daß die starren Bindungen an die
Landwirtschaft langsam aufgegeben werden und mehr und mehr
die jüngeren Erwerbstätigen Beschäftigung in der Stadt
aufnehmen. Dieser
Prozeß ist allerdings in den einzelnen Gemeinden unterschiedlich weit gediehen.
Während sich zum Beispiel in Lindenfeld und auch in Weidentahl die männlichen
Erwerbstätigen im
Sommer in der überwiegenden Mehrzahl noch mit der eigenen
Landwirtschaft beschäftigen und nur in der kalten
Jahreszeit außerhalb des
Dorfes Arbeit aufnehmen, sind in Wolfsberg und in Alt-Sadova fast alle
männlichen Erwerbstätigen .das ganze Jahr über im nichtlandwirtschaftlichen
Sektor tätig und
arbeiten in der Mehrzahl in den Städten Reschitz und Karansebesch.
In Anlehnung an die in der
Raumordnung in der Bundesrepublik verwendeten Abgrenzungskriterien kann für die
vier Gemeinden folgende Zuordnung getroffen werden:
Lindenfeld als
Bauerngemeinde, Weidenthal als Bauern-Arbeitergemeinde, Wolfsberg als
Arbeiter-Bauerngemeinde, Alt-Sadova als
Arbeiter-Bauerngemeinde.
Lindenfeld
Lindenfeld ist die kleinste
der vier Gemeinden. Die abgeschlossene und verkehrsferne
Lage hat wesentlich dazu beigetragen, daß von den hier Wohnenden
bisher kaum jemand außerhalb des Dorfes Arbeit
angenommen hat. Allerdings sind in den
letzten Jahrzehnten einige Familien in die Städte abgewandert. So gingen
nach 1945
nach Karansebesch die Besitzer von Nummer 6 und Nummer
19 und nach Reschitz die von den Nummern 21,
25, 46 und
51.
In der Gemeinde existieren
48
Anwesen. Von den
Erwerbstätigen bezeichnen
sich
29 als Landwirte, die jedoch ohne Ausnahme im
Winter als Waldarbeiter beim Staatsforst
einen Zuerwerb haben. Unter den übrigen sind je zwei Schmiede,
Tischler, Waldarbeiter, ein Förster, ein
Elektriker und fünf Pensionäre. Aber
auch diese 13 Erwerbspersonen betreiben Landwirtschaft, im Unterschied zu den
29
Bauern jedoch im Nebenerwerb.
Nur ein Erwerbstätiger
arbeitet außerhalb. Er ist Wächter in Reschitz und
kommt nur an Wochenenden zurück ins Dorf. Die Strecke,
die er dabei zurücklegt,
beträgt für die Hin- und Rückfahrt 130 Kilometer.
Weidenthal
Wie in Lindenfeld so ist
auch in Weidenthal im Beschäftigtensektor noch eine
geringe Differenzierung zu beobachten. Zwar ist die
Entwicklung hier schon
weiter vorangeschritten, doch stammen die Einkommen der Erwerbstätigen
weiterhin zum
überwiegenden Teil aus der Landwirtschaft.
Ähnlich wie in Lindenfeld
sind auch hier zwei Drittel der männlichen Erwerbstätigen
Zuerwerbslandwirte, die in der kalten Jahreszeit einer Beschäftigung
im Forst, beim Straßenbau oder auch in
Betrieben der Stadt nachgehen. Eine Arbeit im Winter außerhalb der
eigenen Landwirtschaft wird schon deshalb regelmäßig
angenommen, um später einmal eine Pensionsberechtigung zu haben.
Von den Nebenerwerbs- und Nichtlandwirten sind
die meisten als Hilfsarbeiter bei
verschiedenen Betrieben in Karansebesch beschäftigt. Nur wenige haben
eine Spezialausbildung. Sie arbeiten dann
entweder im Hüttenkombinat in Reschitz oder als Zimmerleute und Maurer bei
verschiedenen Wanderbauunternehmen.
Es gibt in Weidenthal neben
den 129
Zuerwerbslandwirten
19
Arbeiter, neun Lehrer, sieben
Pensionäre, sechs Genossenschaftsangestellte, vier Waldarbeiter,
drei Maurer, zwei Schmiede und je einen
Elektriker, Tischler, Wagner, Tierarzt,
Sanitäter, Bibliothekar und Pfarrer.
Wolfsberg
Während in Lindenfeld und in Weidenthal das
Einkommen der dortigen Bewohner zum
überwiegenden Teil auf der Landwirtschaft beruht, kommt es in
Wolfsberg aus drei Quellen:
der nichtlandwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit im sekundären und tertiären
Sektor, dem Fremdenverkehr und der im Nebenerwerb betriebenen Landwirtschaft.
Der größte Teil der
männlichen Erwerbstätigen dieses Ortes ist auf den verschiedenen Arbeitsstellen des Reschitzer Kombinates und im
Forst beschäftigt. Die
Beschäftigtenstatistik weist 44
Waldarbeiter und
41 Maurer auf. Allein auf der Uzina, einer Außenstelle des
Hüttenkombinates bei Wolfsberg, arbeiten 60 Erwerbspersonen. Darüberhinaus
arbeiten viele auf Baustellen in Reschitz, Karansebesch und Ozelu Rosu. Rund
300
Erwerbstätige aus Wolfsberg gehen während
des gesamten Jahres einer
nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeit nach. Es gibt weder Voll- noch
Zuerwerbslandwirte.
Die Summe der Gehälter und
Pensionen, die jährlich in Wolfsberg ausbezahlt wird, beträgt
450 000 Lei gegenüber
200 000 in Weidenthal. Bei
diesen Zahlen ist zu berücksichtigen, daß in ihnen die Einkommen aus der
Landwirtschaft nicht
enthalten sind. Allein die
Zahl der pensionsberechtigten Rentner und Altenteiler,
derjenigen also, die früher
einmal in nichtlandwirtschaftlichen Berufen tätig
waren, beträgt in Wolfsberg
32
gegenüber sieben in Weidenthal. In Wolfsberg
werden im Jahr
70 000 Lei an Pensionen und in
Weidenthal 20 000
ausbezahlt.
Neben der Landwirtschaft
entwickelte sich für die Wolfsberger Familien in den
letzten Jahren der Fremdenverkehr mehr und mehr
zum wichtigsten Nebenerwerbszweig. Man zählte
in dieser Gemeinde vom Januar bis zum August
1971 über
1 400
Fremde. Der durchschnittliche Aufenthalt
dieser Gäste betrug zwei Wochen. Hat
zum Beispiel eine Wolfsberger Familie zwei Erwachsene und zwei
Kinder
14 Tage lang in Vollpension, so erhält
sie daraus unter Zugrundelegung des ortsüblichen Satzes von
50 Lei je Tag für einen
Erwachsenen und 38
Lei für
ein Kind ein zusätzliches Bruttoeinkommen
von etwa zwei Monatsverdiensten.
Insgesamt setzt sich das
monatliche Einkommen dieser Familie etwa folgendermaßen
zusammen: der Arbeitslohn des Mannes mit
1200
Lei, Einkünfte aus dem
Fremdenverkehr 500
Lei, Einkünfte aus der Landwirtschaft und aus
der Entrahmung der Milch
500 Lei und die Rente des Altenteilers
mit 500 Lei. Die
Summe von 2 500
Lei entspricht dann zwei mittleren
Monatsverdiensten, die diese Familie
dann das ganze Jahr über je Monat zur Verfügung hat.
Alt-Sadova
Wie Wolfsberg so muß auch
Alt-Sadova als Arbeiter-Bauerngemeinde charakterisiert
werden. Es gibt hier nur noch einen Voll- und einen Zuerwerbslandwirt.
Die Lage an der Eisenbahnlinie erlaubt den meisten Arbeitnehmern ein
tägliches Pendeln zwischen Wohnort und
Arbeitsstätte. Von den 90 Erwerbstätigen
fahren 20 nach Karansebesch,
32
sogar bis in das 60 Kilometer entfernte Reschitz und
20 nach Balta Zorato. Darüberhinaus sind einige in der Nachbargemeinde
Slatina Timisului in der dortigen Genossenschaft und in einer Holzfirma
beschäftigt.
Im Unterschied zu den drei
Gebirgsgemeinden sind in Alt-Sadova die meisten
Arbeitnehmer qualifizierte Kräfte. Sie arbeiten als
Schlosser, Mechaniker, Elektriker, Tischler und Zimmerleute. Mit wenigen Ausnahmen
betreiben aber auch
sie Landwirtschaft im Nebenerwerb.
6. Soziale Strukturen
Als die Vorfahren der
jetzigen Bewohner der vier Dörfer im ersten Drittel des
vorigen Jahrhunderts sich im Bereich der
Militärgrenze niederließen, wurde die soziale Struktur der Bevölkerung dieser Ansiedlungen von vornherein durch die
damals geltende Grenzverfassung festgelegt. Alle Ansiedler waren zugleich Bauern
und Soldaten, wobei die Größe des
Grundbesitzes so bemessen war, daß sie den
Unterhalt der Grenzerfamilie sicherstellte.
Grundbesitz und Militärdienstlast
standen in direkter Korrelation. Ein Mittel- oder ein Großbauerntum konnte gar
nicht erst entstehen. Alle lebten
unter den gleichen obrigkeitlichen Auflagen als Grenzbauern.
Mit der Aufhebung der
Militärgrenze und der Einbeziehung des Banater Abschnittes
in den ungarischen Staatsverband im Jahre 1873 wurden zwar die bis
dahin geltenden Beschränkungen der
Bodenmobilität aufgehoben, doch brachte
die jetzt geltende Freizügigkeit in den vier
deutschböhmischen Banater Gemeinden
keinerlei Veränderung in der Besitzstruktur. Das Kleinbauerntum blieb weiterhin
bestehen, weil für die Dörfer
inmitten des Waldgebirges keine Landreserve mehr
vorhanden war und die Bevölkerung in
Ermangelung anderer Arbeitsmöglichkeiten
sich weder durch Fortgang verringerte noch Land freigab $s.
Die vier Dörfer behielten
eine homogene kleinbäuerliche Struktur ohne jegliche
Differenzierung bis in die Gegenwart. Erste
Auflösungen dieses Musters geschahen dann in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts in dem verkehrsgünstig
liegenden Alt-Sadova in Richtung auf die Bildung eines Arbeiter-Bauerntums. Der gleiche Prozeß setzte dann auch in
Wolfsberg ein, wo immer mehr
Landwirte eine Beschäftigung auf den in der Nähe des Dorfes liegenden
Arbeitsstellen des Reschitzer
Hüttenwerkes annahmen. Heute ist dieser Prozeß der Umwandlung
zum Arbeiter-Bauerntum in beiden Gemeinden weitgehend abgeschlossen.
Weidenthal steht erst am Anfang der Entwicklung, während Lindenfeld noch
weitgehend im tradierten Kleinbauerntum mit
Zuerwerb verharrt. Man sieht aber
auch
hier ein, daß die Landwirtschaft keine Zukunft haben wird.
Die Erlöse der Bauern aus
dem Verkauf der Kartoffeln und der
Milch sind
im Mittel nicht höher als die Verdienste der
im nichtlandwirtschaftlichen Sektor
tätigen Arbeitnehmer. Die Folge davon ist, daß man in der Landwirtschaft auf
der Stelle tritt und keinen Anschluß an
zeitgemäße Wirtschaftsformen findet.
Demgegenüber steigen langsam die Verdienste der Industriearbeiter.
Das Zusammenleben der
Menschen in diesen vier Dörfern ist noch weitgehend
gemeinschaftsbezogen; vielleicht ein Relikt aus der
Grenzerzeit. Der Zusammenhalt wird gefördert durch die gemeinsame Sprache, die gemeinsam erlebte
Vergangenheit und
die Überschaubarkeit dieser kleinen Enklaven. Von denen, die
fortgingen, ist immer wieder
zu hören, daß sie Heimweh nach ihrem kleinen
Dorf in den Bergen haben. In der neuen Umgebung heißt es
für diese Leute dann
zs Es hatte in den Jahren
nach dem Ersten Weltkrieg nicht an Versuchen gefehlt, die Gemarkunge
der Gebirgsgemeinden durch Zukauf aus den staatlichen Wäldern zu ver
größern. Die Verhandlungen
hatten jedoch keinen Erfolg.immer mit Rumänen und Ungarn zusammenzuleben,
während man hier einander
kennt, den gleichen Dialekt spricht und auch Anteilnahme
findet.Die Abgeschlossenheit bestimmt auch heute noch
weitgehend das Leben und das Denken der Dorfbewohner. Es gibt zum Beispiel immer
noch ältere Leute, meist Frauen, die die rumänische Sprache nicht oder nur sehr
unvollkommen beherrschen. Die Reise in die Stadt, für die man aus den
Gebirgsgemeinden je nach Verbindung einen halben bis einen Tag benötigt, ist
immer noch etwas Besonderes.
In dem Maße allerdings, wie die Männer aus der Landwirtschaft ausscheiden und in
der Stadt Arbeit aufnehmen, wie die jüngeren Leute eine Lehre beginnen, vermehrt
Fremde in die Dörfer kommen und die ersten Fernseher, Kühlschränke und
Motorräder in den Ort gelangen, wird auch die enge Gebundenheit an die immer
noch bestehende Dorfgemeinschaft durchbrochen.
7. Schulbildung
und kulturelles Leben
Die in allen vier Gemeinden bestehenden Grundschulen sind deutsche Schulen mit
rumäniendeutschen Lehrern. Die rumänische Sprache, die von den Kindern auf der
Schule erst erlernt werden muß, bereitet in der Regel große Schwierigkeiten,
weil Kontakt zu den Rumänen kaum vorhanden ist und weil die Kinder auch kaum
Gelegenheit haben, das Dorf zu verlassen.
Die Schulen in Wolfsberg und Weidenthal haben je acht Klassen, wobei in einer
Klasse nie mehr als 20 Kinder sind. In Alt-Sadova bestehen vier und in
Lindenfeld eine Klasse.
Es gibt in den vier Gemeinden, vor allem aber in Lindenfeld und Weidenthal, auch
heute noch Eltern, die im wesentlichen nur daran interessiert sind, daß ihre
Kinder hinreichend lesen und schreiben lernen. Es kommt vor, daß zu
Schuljahresanfang nicht alle Kinder in der Schule erscheinen. Die fehlenden
werden dann mit großer Sicherheit zu Hause noch als Arbeitskräfte bei der Ernte
benötigt.
In der Regel halten die in diesen vier Dorfschulen erzielten Leistungen einen
Vergleich mit den entsprechenden aus den Gemeinden des Tieflandes um Temesvar
nicht stand. Der Lernwille ist im allgemeinen nur schwach ausgeprägt und der
Sprachschatz ist gering, so daß Schulentlassene wie Erwachsene im Gespräch oft
sehr ungewandt erscheinen. Besonders gering ist das Interesse an den
naturwissenschaftlichen Fächern.
Entsprechend der vorherrschenden Einstellung zur schulischen und beruflichen
Ausbildung, die sicherlich durch die periphere Lage mit bedingt wird, ist auch
die Zahl derjenigen, die außerhalb des Dorfes eine Lehre mit dem Ziel einer
abgeschlossenen Berufsausbildung aufnehmen oder die eine weiterführende Schule
besuchen, im Vergleich zum Landesdurchschnitt nicht sehr hoch. Immerhin hatte
das 800 Einwohner zählende Weidenthal 1971 zwei Lehrerstudenten, einen Studenten
der Polytechnischen Hochschule in Temesvar, zwei angehende Krankenschwestern,
die in Arad lernten, und einen Schüler auf dem Lyzeum für Waldwirtschaft in
Temesvar. Dazu kamen etwa zehn Berufsschüler der Sparten Mechanik und
Elektrotechnik, die in Karansebesch lernten und auch dort in einem Internat
wohnten. Etwa fünf Jungen besuchten die Autochauffeurschule, um einen
Führerschein für Lastkraftwagen zu erwerben.
Mehr als in Weidenthal
nehmen in Wolfsberg und in Alt-Sadova die Schulabsolventen
eine berufsbezogene Lehre auf. Es kommt jedoch auch vor, daß die
jungen Leute nach Beendigung ihrer Lehrzeit nicht
wieder in das Dorf zurückkehren, da sie in der Stadt eine geregelte Arbeit finden und täglich dann
nicht mehrere Stunden
für den Weg zur Arbeitsstätte aufwenden müssen.
Das kulturelle Leben ist in
diesen kleinen Orten naturgemäß schwach ausgeprägt. Trotzdem werden seitens der
Behörden -
das gilt für alle Gebiete Rumäniens
-
nicht unerhebliche Anstrengungen unternommen, dieses kulturelle
Leben zu unterstüzten und zu fördern. Jede
der vier Gemeinden verfügt über ein
Kulturhaus, einen flachen Bau mit einem großen gedielten Saal, einer kleinen
Bühne und der Bibliothek.
Für Wolfsberg und Weidenthal
ist zum Beispiel von den Behörden ein Bibliothekar hauptamtlich bestellt, der die hier vorhandenen 6
000 Bücher verwaltet.
Obwohl in beiden Orten keine Rumänen leben, hat diese Bücherei mehr rumänische
als deutsche Bände. Viele Dorfbewohner können jedoch die rumänische Literatursprache
nicht verstehen. Hinzu kommt, daß über ein Viertel des Bücherbestandes
dieser Bibliothek politischen Inhalts ist, der die Dorfbewohner kaum
interessiert.
Trotzdem ist die Bibliothek
ständiger Treffpunkt. Vor allem im Winter zieht
es die Jugend hierher. In Weidenthal wurde
neuerdings von der Gemeinde ein
Fernsehapparat in der Bibliothek aufgestellt, so daß jetzt
an jedem Abend hier
ein Fernsehpublikum anzutreffen ist.
Die größeren Feierlichkeiten in diesen vier
Gemeinden beschränken sich auf den Fasching
und die Kirchweih. Darüberhinaus versuchen die Pfarrer im Rahmen
der ihnen erlaubten Bewegungsfreiheit Jugendliche wie Erwachsene zu Vorträgen
oder Gesangsabenden zusammenzuführen. Sehr verbreitet ist im Winter
das gemeinsame Singen der Mädchen, wobei man
sich gegenseitig besucht.
8. Perspektiven
Die gesamte Untersuchung hat
ergeben, daß trotz eines vorhandenen Beharrungsvermögens die drei Gebirgsdörfer Wolfsberg,
Weidenthal und Lindenfeld
am Beginn eines größeren Umbruches stehen. Die Wandlung vom Kleinbauerndorf
zum Arbeiter-Bauerndorf und weiter zum Fremdenverkehrsort ist
bisher in Wolfsberg am weitesten gediehen.
Der Landwirtschaft, bisher
die ökonomische Basis, fehlen die Voraussetzungen,
um mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung
Schritt zu halten. Eine
Orientierung auf die Milchviehwirtschaft erscheint
angebracht.
Die Zukunft dieser drei
Gebirgsgemeinden wird mit großer Sicherheit im
Fremdenverkehr liegen, der hier in den
höchstgelegenen Teilen des Banater Berglandes optimale Bedingungen findet. Für den Ausbau dieses
Wirtschaftszweiges,der
bisher fast ausschließlich nur auf Wolfsberg beschränkt ist, fehlen allerdings
noch wichtige
infrastrukturelle Einrichtungen.
Insbesondere sind zu nennen:
die Verbesserung der
Verkehrsverhältnisse, der Ausbau des Straßennetzes und
ein regelmäßiger
Omnibusverkehr zwischen diesen Dörfern und den beiden
Städten Karansebesch und Reschitz,
die Verbesserung des Angebotes im gastronomischen
Gewerbe, die Errichtung von
Restaurationsbetrieben,
die Erweiterung der
Bettenkapazität,
die Mobilisierung der Privatinitiative,
die Inwertsetzung des
Stausees und seiner Ufer für den Fremdenverkehr durch
die Anlage eines Campingplatzes und eines
Badestrandes,
die Anlage eines Skialpinums.
Für Alt-Sadova, das verkehrsmäßig günstig an der
großen Nord/Süd-Achse zwischen Temesvar und
Orschova gelegen ist, aber für den Fremdenverkehr kaum
einen Anreiz bietet, werden keine großen
Veränderungen erwartet. Diese Gemeinde
wird ein Arbeiter-Bauerndorf bleiben, das auf das Zentrum Karansebesch
hin orientiert ist.
Während Alt-Sadova kaum einen Siedlungsanreiz für
Fremde bietet, werden der Verkehrsanschluß
der drei Gebirgsgemeinden und die Aufnahme eines intensiv
und gezielt betriebenen Fremdenverkehrs sicher auch zu einer Durchsetzung
der Bevölkerung mit Fremden führen, sei es
daß diese nur saisonal im Dienstleistungsgewerbe
tätig sind, oder sei es daß diese hier Grundstücke oder Wohnungen
erwerben.